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Kultur & Gesellschaft

Jerusalem: Warum heißt diese Stadt so?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Den Muslimen gilt Jerusalem als drittheiligste Stadt des Islam, weil sich Prophet Mohammed während seiner mystischen nächtlichen Reise auf dem Tempelberg mit Abraham, Moses und Jesus traf
iStockphoto

Sie ist für gleich drei Weltreligionen spirituelles Zentrum und Pilgerziel. Den Juden ist die Stadt Jerusalem heilig, weil hier ihre größten Heiligtümer, der Erste und der Zweite Tempel, standen. Die Christen verehren sie als den Ort, an dem Jesus lebte, lehrte und starb. Den Muslimen gilt Jerusalem, nach Medina und Mekka, als drittheiligste Stadt des Islam, weil sich Prophet Mohammed während seiner mystischen nächtlichen Reise auf dem Tempelberg mit Abraham, Moses und Jesus traf. Schon früh hat der Mythos Jerusalem begonnen: Laut biblischer Überlieferung wurde in der Stadt "Shalem" Urvater Abraham vom großen König und Hohepriester Melchisedech gesegnet. Für diesen mysteriösen König und seine Stadt existieren allerdings keine historischen Beweise. Auch eine Stadtgründung durch König David wird in keinem einzigen außerbiblischen Text erwähnt. Wo also liegen die historisch gesicherten Wurzeln der Heiligen Stadt und ihres Namens?

 

Ausgrabungen haben gezeigt, dass die Gegend des heutigen Jerusalem bereits um 5000 v. Chr. besiedelt war. Ausgerechnet bei den Ägyptern, den Erzfeinden des alten Israel, gibt es den frühesten schriftlichen Hinweis: Die Ägypter hatten um 1800 v. Chr. das Land Kanaa und die Stadt "Urushalim" unter ihre Herrschaft gebracht. Geweiht war diese Stadt einer sehr alten, vorbiblischen Gottheit des östlichen Mittelmeers – Shalem, Gott der Dämmerung, Herrscher des Abendsterns, Sohn des Schöpfergotts El und der Sonnengöttin. Als die Erinnerung an diesen beliebten Gott verblasst war und andere Götter (darunter Jahwe) aufstiegen, wurde der Name Jerusalem mehr und mehr anders verstanden. Die sprachliche Nähe zum arabischen „Salam“ und hebräischen „Shalom“ machte daraus mit der Zeit: Stadt des Friedens. Eine Stadt des Friedens ist Jerusalem aber leider so gut wie nie gewesen, sondern im Gegenteil ein permanenter Zankapfel, immer wieder umkämpft, erobert, besetzt. Bis heute ist ihr Status unklar. Während der Staat Israel Jerusalem als Hauptstadt für sich reklamiert, bestehen viele internationale Organisationen auf einem politischen Sonderstatus für die Heilige Stadt.

P.M. Fragen & Antworten 10/2012

 
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