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Psychologie & Gesundheit

Hat jeder Mensch ein Gewissen?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

„Wer kein schlechtes Gewissen hat, hat überhaupt keins.“ Mit diesem Zitat hat der deutsche Schriftsteller Thomas Niederreuther ein wichtiges Merkmal des Gewissens beschrieben.

Wir spüren es nur, wenn wir in Konflikt mit ihm stehen. Obwohl jeder Mensch früher oder später unter diesem Gefühl leidet, krabbeln Babys zunächst völlig gewissenlos durchs Leben. Denn was gemeinhin als Moral und Anstand beschrieben wird, ist nicht angeboren.

Kleinkindern werden die Spielregeln des Zusammenlebens vielmehr mühsam beigebracht – strafende Eltern und zeternde Erwachsene halten bei dieser Gelegenheit Einzug ins Unterbewusstsein. Der aus Mähren stammende Psychologe Sigmund Freud (1856 – 1939) beschrieb als Resultat dieses Vorgangs das „Über-Ich“, das uns mit seiner Mäkelei bis ins Grab begleitet.

Eine Art innere Stimme erinnert Menschen immer dann an die Gesetze der Gesellschaft, wenn sie aus der Reihe zu tanzen drohen. Evolutionär macht dieser Mechanismus durchaus Sinn: Langfristig ist ein Gemeinschaftswesen wie der Mensch nur dann erfolgreich, wenn er die Gebote seiner Sippschaft befolgt.

Bis heute lassen sich deshalb deutliche Gewissensunterschiede zwischen verschiedenen Kulturkreisen nachweisen. Wenn ein im Amazonasraum ansässiger Yanomami-Indianer die Asche eines Toten bei der Beerdigung verzehrt, ehrt er den Verstorbenen – wir könnten einen solchen Akt des Kannibalismus nicht mit unserem Gewissen vereinbaren. Dafür ist hierzulande die Verweigerung des Wehrdienstes aus Gewissensgründen gesetzlich garantiert – ein Grundsatz, den die Kriegerkaste der japanischen Samurai mit Gewissensqualen quittiert hätte.
 

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