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Kultur & Gesellschaft

Ab wann ist man heutzutage alt?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

Im 18. Jahrhundert hingen an den Toren brandenburgischer Städte große Holzkeulen mit der Inschrift: „Wer sich vom Brot seiner Kinder abhängig macht und Not leidet, soll mit dieser Keule erschlagen werden.“

Mediziner waren bis vor wenigen Jahrzehnten überzeugt, dass spätestens ab dem 50. Lebensjahr „senile Degenerationserscheinungen manifest werden“. Psychologen sahen den intellektuellen Höhepunkt zwischen 30 und 45, danach folge zwangsläufig der geistige Abstieg.

Mit 35 Jahren, meinte 1840 Pierer’s Universal Lexicon, bricht im „Geschlecht des Weibes die letzte vollkommene Zeit an“, die etwa drei Jahre dauere, dann werde die Frau „ältlich“.

„Greis ist geil“ – das jüngste Statement der Nürnberger Agentur für Generationenmarketing dürfte in der Kulturgeschichte des Alterns ziemlich einmalig sein: Die „Generation Happy End“, auch „Silver Ager“ genannt, wollen vom Alter nichts mehr wissen.

Auf die Frage „Wann ist man alt?“ antworteten 50 Prozent der Deutschen: „Wenn man zum Pflegefall wird.“ Jeder dritte Deutsche meint, alt ist man erst, wenn man starr und unflexibel wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, alt ist man, wenn mehr als 50 Prozent des eigenen Jahrgangs bereits verstorben sind. In einem sind sich heute alle einig: Alt sein hängt nicht von den gezählten Lebensjahren ab und ist auch keine rein biologische Tatsache, sondern eine kulturelle Konstruktion.

In anderen Kulturen waren und sind die Wechseljahre der Frau mit einem „Anstieg geistiger und spiritueller Potenz“ verbunden. Beispielsweise in Griechenland: Besonders die Weisheit um Geburt und Tod wird als geistiger Besitz „der Alten“ angesehen. Das Alter ist durch das Weitergeben von Lebenserfahrung geprägt.

Auch Mafa-Frauen in Nordkamerun nehmen jenseits ihrer fruchtbaren Phase bedeutende Positionen in der Gesellschaft ein, häufig werden ihnen spirituelle Fähigkeiten zugesagt, sie werden mit zunehmendem Alter interessanter und wichtiger.

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