Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.
Natur & Reise
»Unkraut vergeht nicht.« Stimmt das?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Interview über das Sprichwort mit Stefanie Hahn, Mitarbeiterin der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig.
F&A: Heute nennt man es »Resilienz«, aber das alte Sprichwort »Unkraut vergeht nicht« bedeutet dasselbe: Es gibt Menschen, die sich von Enttäuschungen und Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lassen. Wie aber sieht es bei den Pflanzen aus – ist Unkraut wirklich unverwüstlich?
Hahn: Ja, aus biologischer Sicht stimmt das Sprichwort. Pflanzen, die gemeinhin als Unkräuter gelten, haben spezielle und sehr effiziente Überlebensstrategien entwickelt. Sie produzieren viele Samen, die der Wind rasch verbreitet. Die Samen sind robust und überdauern im Boden lange Zeit, bis sich günstige Keimbedingungen bieten. Unkräuter besiedeln brachliegende Flächen oft als Erste. Da sie früh keimen und austreiben, haben sie eine gute Startposition im Wettrennen um Licht und Nahrung. Mit Hilfe ober- und unterirdischer Ausläufer verbreiten sie sich schnell. Manche Unkräuter wie die Ackerkratzdistel haben so tief liegende Wurzelnetze, dass sie beim Pflügen nicht erreicht werden.
Unkraut – was ist das eigentlich?
Hahn: Eigentlich eine »Erfindung« des Menschen. Wildkräuter, so die korrekte Bezeichnung, erfüllen eine bestimmte Funktion im ökologischen Haushalt. Un-Kräuter sind sie erst, seit der Mensch Pflanzen kultiviert, also bewusst bestimmte Pflanzen fördert. Alles, was dort wächst, wo wir es nicht haben wollen, titulieren wir als Unkraut. Oft ist es so, dass bestimmte Kulturen bestimmte Unkräuter auf den Plan rufen. Klettenlabkraut und Kornblume zum Beispiel finden sich vor allem im Kornfeld, Windhalm und Ackerfuchsschwanz besonders im Weizen. Tatsache ist, dass Unkräuter den Kulturpflanzen Nährstoffe, Wasser und Licht nehmen und so den Ertrag schmälern. Im schlimmsten Fall können sie zu Ernteausfällen führen. Deshalb werden sie bekämpft.
Hat Unkraut auch für uns seine guten Seiten?
Hahn: Unbedingt. Wildkräuter erhöhen die biologische Vielfalt in unserer Landschaft und verhindern als Bodenbedecker die Bodenerosion. Außerdem bieten sie Tieren Nahrung und Überwinterungsmöglichkeiten. Die Kräuter am Ackerrand ziehen nützliche Insekten an, die dann wiederum zum Beispiel bei der Bekämpfung von Blattläusen helfen. Deswegen gibt es für Bauern sogar Fördergelder, wenn sie auf den so genannten Ackerrandstreifen keine Unkrautvernichtungsmittel einsetzen. Einige Wildkräuter sind auch wegen ihrer heilenden Wirkung begehrt. Beinwell zum Beispiel war früher in jedem Bauerngarten zu finden und wird auch heute noch in Salben verwendet, um die Wundheilung zu fördern. Botaniker verzeichnen mit Sorge den Artenrückgang bei den Wildkräutern. Einige von ihnen finden sich schon auf der »Roten Liste« der gefährdeten Arten, zum Beispiel die (giftige) Kornrade.












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