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Fälschungen

Wenn Forscher fälschen

Der Kampf um Ruhm, Ehre und Forschungsgelder unter Wissenschaftlern ist hart. Nur die Besten gehen in die Geschichte ein. Um dazuzugehören, nehmen es einige mit der Wahrheit nicht so genau.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Galileo Galilei hat mit seinen Forschungen die Wissenschaft revolutioniert. Doch auch er soll gefälscht haben - meint Galilei-Kenner Alexandre Koyré. Er glaubt, dass Galilei viele seiner Experimente nie selbst durchgeführt hat
iStockphoto

Er war ein Superstar, fast ein Guru. Eloquent und gut aussehend, ein Vorbild für Millionen. Eltern hofften, ihre Kinder würden einmal so werden wie er. In einem Land, das Wissenschaftler verehrt wie Popstars, war Hwang Woo Suk ein Elvis Presley. Sogar einen Spitznamen hatte er – »The King of Cloning«. Der südkoreanische Genforscher galt als Pionier bei der Herstellung von Stammzellen, die man zur Behandlung von Alzheimer oder zur Reparatur geschädigter Organe einsetzen kann. Er gab Millionen Schwerkranken Hoffnung. Die Stammzellen habe er aus geklonten menschlichen Embryonen entnommen, und er sei in der Lage, so seine Behauptung, sie auf die Bedürfnisse seiner Patienten regelrecht zuzuschneiden. Das Fachmagazin Science veröffentlichte die bahnbrechenden Studien. Mediziner jubilierten und glaubten: Binnen einer Generation würde es viele Krankheiten nicht mehr geben. Doch dann kam der tiefe Fall – allerdings auf Raten. Zunächst gab Hwong 2005 zu, die Zellen stammten nicht von einem Embryo; es handelte sich um Eizellen seiner Mitarbeiterinnen. 2006 wurde seine gesamte Forschung von einer Untersuchungskommission der Universität Seoul als Schwindel enttarnt. Hwang trat von seiner Professorenstelle zurück, Science musste seine Studien zurückziehen. Im Oktober 2010 schließlich verurteilte ein Gericht den windigen Forscher wegen Veruntreuung von Forschungsgeldern in Höhe von 830 Millionen Won (etwa 500 000 Euro) zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Haft gefordert.

 

Der materielle Schaden, den der vermeintliche König des Klonens angerichtet hat, war groß. Viel schwerer jedoch wiegt der immaterielle Schaden. Hwong machte Menschen wie auch Medizinern Hoffnung - und enttäuschte sie maßlos. Zudem diskreditierte er den gesamten Forschungszweig, der ohnehin im Brennpunkt ethischer Diskussionen steht: Darf man embryonale Stammzellen überhaupt zu Forschungszwecken verwenden? Schließlich wird der Embryo dabei zerstört. In Deutschland ist das Herstellen menschlicher Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen verboten; in Großbritannien, den USA und Südkorea dagegen ist es erlaubt. Auch hierzulande platzte zur gleichen Zeit eine Bombe im Wissenschaftsbetrieb. Der Anthropologe Reiner Protsch galt als weltweite Koryphäe und glänzte immer wieder mit sensationellen Datierungen von Knochenfunden, etwa der »Dame von Kelsterbach«, einem angeblich über 30 000 Jahre alten Schädelfragment eines Cromagnonmenschen. Der Fund galt als einer der ersten Nachweise des modernen Menschen in Europa. Aber nach und nach bekam das Bild des professoralen Genies tiefe Risse: Schon 1984 warf ihm ein Kollege unredliches Zitieren fremder Arbeiten vor, doch die Konsequenzen blieben aus. 2001 maßen Wissenschaftler in Oxford einige von Protschs Funden mit der C14- Methode nach. Das Ergebnis: Viele Schädel waren von dem Professor um Zehntausende von Jahren zurückdatiert worden. Die »Dame von Kelsterbach«, die ebenfalls überprüft werden sollte, war derweil aus dem Institutssafe verschwunden. Im März 2004 schaltete sich die Staatsanwaltschaft ein, und im Februar 2005 kam eine interne Untersuchung zu dem Schluss, dass sich Fälschungen, Unterschlagungen und Betrug durch Protschs gesamtes Forscherleben zogen. Im Jahr 2009 gestand er bei einem Prozess vor dem Frankfurter Landgericht alle 17 Anklagepunkte - man hatte ihm zugesichert, er würde bei einem Geständnis mit einer Bewährungsstrafe davonkommen.

 

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Autor/in: Stefan Maiwald

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