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Kunst

Verstehen Sie die Sprache der Kunst?

Bunte Suppendosen, ein Lamm am Kreuz Christi, das Halsband einer Nackten – jede Epoche hat besondere Symbole in der Kunst. Viele Gemälde vermitteln wichtige Botschaften, die heute jedoch kaum jemand mehr kennt.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Andy Warhol steht mit zwölf Dosen "Campbell’s Tomatensuppe". für eine Bewegung, die seit den 1950er Jahren die Kunstszene revolutioniert: die Pop Art
iStockphoto

Da stehen sie. Zwölf Dosen "Campbell’s Tomatensuppe". Lebensmittel, die jeder aus dem Supermarkt kennt, prangen nun auf einem Gemälde. Andy Warhol hat sie 1965 in leuchtenden Farben in seinem Bild "Soup Cans" abgebildet. Auch Cola- Flaschen, Hot Dogs und Dollarscheine wählt er als Gemäldemotive. Erhebt Konsumsymbole zu Kunstobjekten. Und steht damit für eine Bewegung, die seit den 1950er Jahren die Kunstszene revolutioniert: die Pop Art. Die Künstler wollten weg von abstrakten Museumsbildern, die oft nur die intellektuelle Elite verstand. Kunst sollte stattdessen wieder den Alltag des Menschen abbilden, viele Betrachter ansprechen. Und diesen Alltag prägt damals nichts so sehr wie der Konsum. Küchengeräte, Waschmittel, Fertiggerichte, Getränke überschwemmen die Läden. Das Leben wird effizienter, moderner. Das zeigt sich am Essen besonders deutlich. Man muss Speisen nicht mehr aufwändig zubereiten, es genügt, eine Konservendose zu öffnen und den Inhalt warm zu machen. Oder man holt sich einen Hamburger in einem der neuen Mc-Donald’s-Restaurants. Diese schöne neue Warenwelt dient den Pop-Art-Künstlern als Vorlage. So erschafft Claes Oldenburg 1962 eine Riesen-Hamburger-Skulptur, Roy Lichtenstein malt im selben Jahr Comicszenen auf Leinwände, Ed Ruscha macht Markenlogos zu Bildmotiven.

 

Die Qualen bei der Kreuzigung

Der Konsum als wahre Religion Amerikas? So sehen manche Kritiker die Botschaft der Pop Art, da früher meist nur religiöse Themen solch einen Platz auf Gemälden bekommen hatten. Die Parallele ist nicht falsch. Auch früher hat die Kunst Szenen und Symbole aus einer Welt abgebildet, die der Bevölkerung sehr bekannt war: die Welt der Bibel. Machen wir deshalb eine Zeitreise in eine Epoche, die Jahrhunderte zurückliegt, ins späte Mittelalter Zu einem Altarbild, das grausamer nicht sein könnte. Jesus hängt am Kreuz, seine Hände sind von großen Nägeln durchbohrt, haben sich vor Schmerz verkrampft. Auf seinem Haupt prangt eine Dornenkrone, Blut fließt über sein Gesicht, Stacheln stecken im Oberkörper als Hinweis auf die Geißelung. Christus Körper ist. grünlich verfärbt, der Leichnam verwest. Das Blut, die Dornenkorne und der zerfetzte Lendenschurz zeigen die völlige Zerstörung und Erniedrigung von Jesus. Auch die anderen Personen erkennt der Gläubige des Mittelalters sofort. Links neben dem Kreuz ist Maria im weißen Gewand, Symbol für Reinheit, zu sehen. Daneben kniet die weinende Maria Magdalena, zu erkennen an ihrem Salbgefäß. Sie wird später Zeugin der Auferstehung werden. Auf der anderen Seite steht Johannes der Täufer, der mit dem Finger auf den toten Christus weist und zeigt, dass das Erlösungswerk vollbracht ist. Vor ihm das Lamm Gottes, Symbol für Jesus, das all unsere Sünden trägt. Wie kein anderer Künstler vor ihm hat Matthias Grünewald im Isenheimer Altar (1515) die Qualen des sterbenden Jesus dargestellt. Die schockierende, detaillierte Kreuzigungsszene war Absicht, sie sollte zur „Compassio“, zum Mitleiden, auffordern. Das Bild ist ein Beispiel dafür, dass Kunst im Mittelalter nicht nur Szenen aus der Bibel darstellt, sondern auch emotional berühren wollte. Da die meisten Menschen damals weder lesen noch schreiben konnten, dienten Gemälde dazu, den Gläubigen das gottesfürchtige Leben zu zeigen und das sündige. Oft arbeiteten Maler dabei mit Symbolen, die jeder Christ kannte. Eines der bekanntesten ist der Erzengel Michael, der am Tag des Jüngsten Gerichts die Taten des Menschen abwiegt, danach erwartet diesen dann die Herrlichkeit des Himmels – oder die Qualen der Hölle. Doch die Bilder sollten auch Hoffnung geben. Eine der wichtigsten Figuren dafür ist Maria, die heilige Mutter. Meist ist sie an ihrem blauen Gewand zu erkennen. Blau war im Mittelalter nicht nur eine sehr kostbare Farbe, sie steht auch für den Himmel. Maria verknüpft somit das Göttliche mit dem Irdischen. Im Altarbild "Die Verkündigung" (um 1438) des italienischen Malers Fra Angelico wird dies besonders deutlich. Hier sitzt Maria im Arkadengang ihres Hauses in Nazareth, Symbol des Weltlichen, und verneigt sich vor dem göttlichen Erzengel Gabriel. Er verkündet ihr, dass sie die heilige Empfängnis erleben und den Sohn Gottes gebären wird. Seit Beginn der Renaissance rücken dann zunehmend andere Themen in das Interesse der Künstler: antike Mythen. Götter und andere allegorische Figuren tauchen nun vermehrt auf den Leinwänden auf. So stellt der barocke Maler Peter Paul Rubens „Die vier Weltteile“ mithilfe von Personen und Tieren dar. Eine dunkelhäutige Venus und ein Krokodil symbolisieren Afrika, eine blonde Frau und ein Tiger stellen Asien dar.

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 2.9 (8 Bewertungen)
Autor/in: Yvonne Küster


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