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Hexenverfolgung

Pfarrer fordert: Ende der Hexenverfolgung

Hexen gibt es nicht. Das steht heute fest. Dennoch wurden die rund 80 000 Opfer der Hexenverfolgung niemals freigesprochen. Auch heute sträuben sich viele Städte und Kommunen die Opfer zu rehabilitieren. Dabei wäre das dringend nötig.

Hartmut Hegeler: Setzt sich für Rehabilitierung ein. Wie schon sein Priesterkollege Anton Praetorius im 17 Jahrundert, kämpft auch er für die Unschuld der Hexen.
Hartmut Hegeler / www.anton-praetorius.de

215 Jahre nach dem letzten Hexenprozess hat ein Mann noch immer mit diesem Thema zu kämpfen. Der evangelische Pastor Hartmut Hegeler setzt sich für die Opfer der Hexenverfolgung in Deutschland ein. Die Thematik hat nicht, wie oft geglaubt, ausschließlich mit der Katholischen Kirche zu tun. Es waren die weltlichen Gerichte, welche die „Hexen“ anprangerten und verurteilten. Hegeler fordert daher eine gerichtliche und moralische Rehabilitierung der Opfer.

„Ich will die Geschichtsbücher in den Herzen und Köpfen der Menschen umschreiben“, sagt der evangelische Pfarrer. Durch sein Engagement haben nun 16deutsche Städte und zwei Orte in der Schweiz deren „Hexen“ offiziell rehabilitiert. Da viele Opfer nicht registriert wurden, kann Hartmut Hegeler nur eine ungefähre Zahl von freigesprochenen Hexen nennen. „Vielleicht sind es bisher 500 Hexen“, schätzt er seinen Erfolg. Die nächste Rehabilitierung ist am 28 Juni 2012, bei einer Stadtratssitzung in Köln geplant.

Auch Luther gehörte zu den Fürsprechern der Hexenverfolgung

Mit Spitzhut, Hakennase und auf dem Besen reitend: Das Bild von damals gilt es zu rehabilitieren
Gert Altmann / pixelio

Was Hegeler verwundert: Vielerorts regt sich Widerstand gegen seine Rehabilitierung. In Düsseldorf rechtfertigte ein katholischer Diplomtheologe seine Ablehnung damit, dass sein Glaubensgewissen durch Rehabilitierung in unzulässiger Weise beschwert würde. Vielerorts scheuen sich Kommunen auch diepolitische und moralische Verantwortung für die Gräueltaten zu übernehmen.

Pfarrer Hartmut Hegeler fordert aber auch seine eigene Religion dazu auf, die Opfer zu rehabilitieren. Luther selbst war es nämlich, der sich in seinerPredigt am 6. Mai 1526 für die Hexenverfolgung aussprach. „Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an“, so der Reformator, und: „Wenn niemand die Hexen verbrennen wollte, ich wollt es selber tun.“

Im Jahr 2017 feiert die evangelische Kirche 500 Jahre Reformation. Bis dahin soll es Themenjahre geben. 2013 wird Toleranz groß geschrieben. Da böte sich für die evangelische Kirche die Gelegenheit, die Opfer zu entlasten, sagen einige Theologen.

Noch vielerorts aktuell: die Hexenverfolgung 

Die Rehabilitation will nicht nur  die „Hexen“ rein waschen. Sie ist auch ein wichtiger Schritt hin zur Aufklärung, denn Hexenverfolgung gehört noch lange nicht der Vergangenheit an.

In Afrika, Indien oder auch in Südamerika gerät die Bevölkerung in Panik, wenn sie mit Unerklärbaren konfrontiert wird. Dort herrscht nach wie vor der Glaube, dass Unheilvolles von bösen Geistern ausgehe. In Afrika trägt fast jedes Kind eine Kette mit Koranversen um den Hals: zum Schutz vor bösen Hexen. Ähnliches weiß auch Afrika-Experte Bartholomäus Grill in seinem Artikel „Die Macht der Hexen“ zu berichten. Amnesty International berichtet des weiteren von tausenden von Menschen, die besonders in ärmeren Regionen wegen Hexerei verfolgt werden. In Tansania werden Albinoshingerichtet. Dort glaubt man: „Nur der Teufel kann die Hautverfärbung hervorrufen.“

Hexenverfolgung:  Endete häufig mit dem Tod der Beschuldigten.
Wikimedia Commons

Rehabilitierung dringend nötig: Unklare Gesetze fordern zahlreiche Opfer

„In Afrika gibt es keinen gesetzlichen Rahmen, der Hexenprozesse verbietet“, weiß Hegeler. Dort herrsche Willkür und diese führe oft zu eigenmächtiger Lynchjustiz. „Das macht deutlich wie viele Menschenrechte wir uns seit der Hexenverfolgung erkämpft haben“, so der Pastor. Afrika konnte sich diese Privilegien noch nicht aneignen.

Auch in Deutschland gehört der Glaube an die Hexerei längst nicht zur Vergangenheit. „Zehn bis 15 Prozent der Deutschen halten für möglich, dass Dämonen existieren“, weiß der Pastor. Besonders ältere Menschen seien diesem Irrglauben verfallen.

Aberglaube: Beginn der Hexenverfolgung

Ein ganz ähnliches Phänomen wird außerdem immer beliebter. Aberglaube ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Laut Allensbach-Institut glauben 42 Prozent der Deutschen beispielsweise, dass ein vierblättriges Kleeblatt Glück bringt. Nur jeder dritte glaubt nicht an die so genannten bösen Omen, wie die der schwarzen Katze und Krähe.

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Autor/in: Johanna Pfingstl


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