Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Akropolis

Marmor-Puzzle Akropolis

Kräne, Seilwinde, Gerüste: In Athen nähert sich eine der größten Rettungsaktionen der Geschichte ihrem Ende. Nach dreißig Jahren Bauzeit ist die Akropolis dann wieder komplett

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Die zehneinhalb Meter hohen Marmorstützen des Parthenon bestehen aus dicken Scheiben ("Trommeln")
iStockphoto

Tock-tock-tock: So klingen gute Nachrichten aus Griechenland. Wer in den vergangenen Jahren die Akropolis besuchte, frühmorgens, bevor die Touristen kommen, hörte schon von Weitem den hellen Klang der Hammerschläge auf die stählernen Meißel. An dieser Stelle des Landes wird keine marode Volkswirtschaft repariert, sondern die schönste Tempel Anlage der Antike.Aber warum schlagen Steinmetze und ihre Helfer mit Meißeln auf Marmorblöcke, die fast 2500 Jahre überdauert haben? Zerstören sie damit nicht unersetzbare Kostbarkeiten? Zerstörung und Verfall haben längst stattgefunden, auch wenn das auf den ersten Blick nicht überall sichtbar wurde – wie im Körper eines Patienten, der neben äußeren Narben und Wunden auch innere Verletzungen hat. So ähnelt das, was auf dem 156 Meter hohen Felsplateau über der Stadt Athen passiert, einer gewaltigen medizinischen Operation: Zuerst wird gesägt und zerlegt, dann wird geflickt und zusammengesetzt. In einem historisch beispiellosen Umfang, seit dreieinhalb Jahrzehnten.

Rund 44 Millionen Euro hat die Rettungsaktion zuletzt pro Jahr gekostet; 33 kamen von der EU, elf vom griechischen Staat. Erbaut wurde die Akropolis zwischen 467 und 406 v. Chr., als prächtiges Gottesgeschenk der Hellenen. Sie hatten den letzten Krieg gegen die Perser überlebt und zeigten sich nun dankbar. Doch bereits am Anfang des Mittelalters (um 500) beginnt die Leidensgeschichte der berühmten Sehenswürdigkeit. Zunächst verwandeln Christen die beiden größten Tempel (Parthenon und Erechtheion) in Kirchen. Ohne Respekt vor dem, was sie vorfinden: Sie zerstören Skulpturen, entfernen einige der Innensäulen und verlegen die bisherigen Eingänge auf die Westseite. Die ursprünglichen Osteingänge werden einfach zugemauert. 1458 kommen die Türken, die zwar nichts zerstören, aber aus dem Parthenon eine Moschee machen und ein Minarett anbauen. Das Erechtheion wird zum Harem. Einen rabenschwarzen Tag erlebt die Tempelanlage im Jahr 1687: Eroberer aus Venedig greifen Athen an und feuern mehr als 700 Kanonenkugeln auf die Akropolis. Im Inneren des 70 Meter langen Parthenons lagert eine größere Menge türkischer Munition – die nun laut krachend explodiert. Mauersteine fliegen auseinander, 28 Säulen brechen ein.

Und so geht es weiter. Plünderer, saurer Regen, Ruß, Vogelkot und in kleinste Ritzen eindringende Pflanzen setzen der Akropolis über Jahrhunderte zu. Und Erdbeben bringen sie zum Erzittern. Gleich mehrmals im Jahr 1981, doch die seismischen Erschütterungen erzeugen nur Risse und kleinere Schäden. Viel schlimmer ist das, was angebliche Denkmalschützer den antiken Heiligtümern antun. In den Jahren nach 1900 setzen sie zerfallene Säulen und herumliegende Steine so an ihren Platz, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Säulenstücke werden vertauscht, manches, was nicht passt, wird zurechtgeschliffen. Geradezu kurios ist das, was mit einigen aus Marmor neu nachgebildeten Säulenteilen geschieht: Kaum hat man sie erschaffen, werden sie zerschlagen – weil die herumliegenden Bruchstücke nun angeblich besser zum Ruinen-Look der Gebäude passen und schön »antik« aussehen. Die schlimmste Sünde aber: Marmorblöcke werden mit Klammern aus Eisen aneinandergepresst. Eisen rostet. Und Rost dehnt sich aus. Zwar waren schon in der Antike Eisenklammern verwendet worden, aber die hatte man sorgfältig mit schützendem Blei ummantelt – eine Arbeit, die man sich in der Neuzeit ersparte. Mit dem Ergebnis, dass die Korrosion der Klammern die Marmorblöcke von innen auseinandergesprengt hat. Schadstoffe in der Luft unterstützten die Zerstörung von außen. Vor allem Schwefelverbindungen haben die Akropolis angegriffen, indem sie Marmoroberflächen in eine gipsartige Substanz verwandelten. So hat das aktuelle Rettungsprojekt zwei Ziele: die antiken Strukturen wiederherzustellen und die Fehler früherer Restaurierungen zu korrigieren.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (5 Bewertungen)
Autor/in: Martin Tzschaschel

Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Akropolis  /  Athen  /  Bauwerke  /  Das antike Griechenland  /  Griechenland  /  Restaurierung


Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <b> <i> <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd> <img> <iframe> <br> <div>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Use to create page breaks.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen