Die Philosophen sind wie Zahnärzte, die Löcher aufbohren, ohne sie füllen zu können.
Ausgabe
06/2013
Cäsar und Augustus
Deutschland 1913: Der letzte Sommer im Frieden
Brief, Telefon & Co: Als die Wörter fliegen lernten
Ausgabe
06/2013
Wie gefährlich sind die Geheimbünde von heute?
Wo finde ich meinen Genpartner?
Gibt es noch Länder ohne Internet?
Ausgabe
05/2013
Ausgabe
02/2013
Ausgabe
02/2013
Ausgabe
05/2013
Ausgabe
02/2013
Ausgabe
02/2013
113 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
Zu gewinnen: drei E-Book-Reader!
Ausgabe
02/2013
Noch mehr Rätselspaß:
P.M. Logicals bringt Ihre grauen Zellen auf Hochtouren. Mit 44 anspruchsvollen Logik-Puzzles
Ausgabe
02/2013
Schillers Helden
Mörder für die Freiheit?
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
Hier geht's zum aktuellen Heft »
Sein Entschluss steht fest. Nichts und niemand kann ihn mehr aufhalten. Der Tatort ist gut gewählt: Die Hohle Gasse nach Küssnacht ist eng, ein Holunderbusch das perfekte Versteck für einen mit einer Armbrust bewaffneten Mann. Dort wartet Wilhelm Tell, in aller Ruhe, bis sein Opfer, der kaiserliche Reichsvogt Geßler, nah genug herangeritten ist. Mit einem gezielten Schuss ins Herz hebt er ihn aus dem Sattel und ruft dem Sterbenden zu: »Du kennst den Schützen, suche keinen anderen!/Frei sind die Hütten, sicher ist die Unschuld/Vor Dir, Du wirst dem Lande nicht mehr schaden.«
Aus einem Schweizer Bergbauern machte Friedrich Schiller 1804 im Drama »Wilhelm Tell« den bis heute berühmtesten Attentäter der Weltliteratur. Ein Attentäter, der trotz - oder gerade wegen - der blutigen Tat zum Na-tionalhelden taugt. Wie das funktioniert, dass man aus dem Hinterhalt jemanden umbringt und dann vom Publikum gefeiert wird? Alles eine Frage des Blickwinkels und abhängig vom Zeitpunkt der Betrachtung. Denn bei Schiller ist Tell natürlich nicht irgendein Attentäter, er ist der Idealtyp des Tyrannenmörders, ein Machtloser, der gegen einen Mächtigen antritt, um mit dem Naturrecht im Rücken das Urteil der Geschichte zu vollziehen.
Noch bis zur Hälfte des Stücks erträgt der Landmann die Willkür der Habsburger Fremdherrschaft. Dem konspirativen Rütlischwur der Genossen aus den Kantonen Uri, Schwyz und Unterwald, die sich auf einer Wiese am Vierwaldstätter See verschwören, verweigert er sich - des Friedens willen. Doch dann zwingt der Reichsvogt Tell, seinem eigenen Sohn einen Apfel vom Kopf zu schießen. Das ist zu viel, und das ist der Grund dafür, dass der eigentlich unpolitische Tell zur Selbsthilfe übergeht. Damit nicht der kleinste Verdacht des Meuchelmords auf ihn fällt, stilisiert Schiller ihn zum fast heiligmäßigen Naturburschen, der sich gegen das Böse verteidigen muss. Die legendenhafte Figur, die um 1400 gelebt haben soll, ist perfekt gezeichnet. Kein Wunder. In Schillers Werk steht sie an der Spitze einer ganzen Reihe von historischen Freiheitskämpfern, Rebellen und Attentätern, die der Autor im Laufe der Jahre in seinen Stücken verewigt hat.
So »unverdächtig« verehrungswürdig die Attentäter-Figur Wilhelm Tell sein mag, so legendär, wenn nicht noch beliebter, sind die mordenden Helden, die Schiller ganz zu Beginn seiner Dichterkarriere auf die Bühne schickt. »Die Räuber« sorgen schon bei ihrer Urauf-führung am 13. Januar 1782 am Mannheimer Nationaltheater für extreme Emotionen. Das Publikum fällt sich spontan in die Arme, sinkt in Ohnmacht, schreit und tobt, bis Ordnungskräfte eingreifen.
»Stehlen, morden, huren, balgen,/Heißt bei uns nur die Zeit zerstreun,/Morgen hangen wir am Galgen, Drum lasst uns heute lustig sein.« So rufen es die Räuber in eine Welt, die sich auf dem Weg zur Französischen Revolution befindet. Eine brutale Lyrik für die Sturm-und-Drang-Generation. Mittendrin Räuberhauptmann Karl Moor, der mit dem Bruder um die Liebe des Vaters konkurriert und gleichzeitig gegen ihn rebelliert. Der Motor für den Rebellen heißt »Freiheit«. Ein kompromissloser Motor, wie der niederländische Literaturwissenschaftler Eelco Runia schreibt: »Für Schiller bedeutet Freiheit nicht nur die Möglichkeit, sondern die Pflicht, bisher ungehörte, furchtbare Dinge zu tun, Dinge, die durch nichts bestimmt sind, was zuvor kam.«
- Liebe
- Robin Hood und Wilhelm Tell
- Wilhelm Tell























Kommentar hinzufügen