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Guglmänner

Ludwig II.: Geheimbund sucht Königsmörder

HISTORY traf in München Vertreter der geheimnisvollen Guglmänner zu einem ihrer seltenen Interviews. Sie sind davon überzeugt, dass Bayerns König Ludwig II. das Opfer einer Verschwörung wurde.

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Der Geheimbund der Guglmänner behauptete, dass Ludwig II. mit einer Windbüchse erschossen wurde
iStockphoto

Guglmänner - die Kontaktaufnahme

Am 13. Juni 2003, zum 117. Todestag des bayerischen Königs Ludwig II., erreichte eine geheimnisvolle Pressemitteilung die HISTORY-Redaktion: Der Geheimbund der Guglmänner behauptete darin, dass Ludwig II. mit einer Windbüchse erschossen wurde. Das machte mich neugierig. Der erste Kontakt gelang über das Internet und die Homepage der »Guglmänner Seiner Majestät König Ludwig II.«, die sich in der Tradition jener Vermummten sehen, die bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für die bayerischen Monarchen dem Sarg vorausschritten. Die Antwort der Guglmänner auf eine E-Mail mit der Bitte um ein Interview ließ zwar auf sich warten, doch dann kam endlich die Nachricht: »Nennen Sie uns eine Telefonnummer, dann werden Sie angerufen.« Also gebe ich meine Handynummer preis. Wenige Tage später bittet eine SMS um Rückruf. Ein erstes Telefonat verlief zufrieden stellend: Einer der Guglmänner erklärt sich zu einem Treffen bereit. Ort und Zeit gibt er mir später bekannt. Wenige Tage danach ist es dann so weit. Mit einem leicht mulmigen Gefühl betrete ich den »Münchner Unionsbräu« in der Einsteinstraße. An Abendessen denke ich nicht, obwohl mir der leckere Geruch von frischem Schweinebraten in die Nase steigt. Unter dem Bild von König Ludwig sitzt ein grau melierter Mittfünfziger – ist das die erste Begegnung mit einem leibhaftigen Guglmann? Trotzdem bin ich ein wenig enttäuscht. Einen Guglmann hatte ich mir anders vorgestellt.

Ich spreche mit Richard H., einem hochrangigen Mitglied des Geheimbunds der Guglmänner, der dessen Öffentlichkeitsarbeit erledigt. Mit Bedacht und stark auf die eigene Ausdrucksweise achtend, umreißt Richard H. kurz die hierarchische Struktur der Guglmänner. Sie ist in zwei Klassen aufgeteilt: Die »Katechumen« bilden den Kreis der Interessierten, während das siebenköpfige »Definitorium« den Kurs der Bruderschaft bestimmt, die jetzt auch für die Geschichte mit der Windbüchse verantwortlich ist. Leitfaden sämtlicher Aktionen ist, »nicht zu ruhen, bis die Todesumstände (von Ludwig II.) vollkommen aufgeklärt sind«. Den Guglmännern kann man nicht beitreten wie einem Tennisclub, erklärt Richard H. Das Definitorium entscheidet über Neuaufnahmen und spricht die Auserwählten persönlich an. Entscheidende Kriterien sind: Ein neuer Guglmann muss königstreu sein, einen untadeligen Ruf haben und die ritterlichen Tugenden wie Zucht, hohe Minne, Treue und christliche Barmherzigkeit beachten. Richard H., der sich schon als 5-Jähriger nach einem Besuch von Schloss Herrenchiemsee für die Person Ludwigs begeistert hatte, bekam in der Münchner U-Bahn eine geheimnisvolle Einladung zugesteckt. Was er da noch nicht wusste: Es war die Einladung, dem Geheimbund der Guglmänner beizutreten. Nunmehr ist er seit knapp drei Jahrzehnten einer von über dreißig Guglmännern. Zu genauen Zahlen möchte sich Richard H. aber nicht äußern. Streng vertraulich. Er selbst vermutet, dass die Guglmänner auf ihn wegen seiner zahlreichen Auftritte als Ludwig II. in Laienschauspielgruppen aufmerksam wurden. »Wir haben weiß Gott nicht die Wahrheit für uns gepachtet«, gibt Richard H. zu bedenken. »Aber uns ärgert es nur, dass König Ludwig II. immer despektierlich dargestellt wird. Wir sind uns sicher: Auf dem Sarkophag ruht ein Geheimnis. Und das Haus Wittelsbach weiß genau, was vor 117 Jahren passiert ist. Mit unserer Theorie, Ludwig sei mit einer Windbüchse erschossen worden, könnten wir zufälligerweise auf die Wahrheit gestoßen sein.«

 

Die Behauptung der Guglmänner: Ludwig II wurde mit einer Windbüchse erschossen

Die vermeintliche Mordwaffe befindet sich im »Deutschen Jagd- und Fischereimuseum« im Herzen Münchens. Breit, lang und steil ist die Treppe, an deren Ende die Geschichte um den ungeklärten Tod König Ludwigs II. aufgelöst werden könnte: In einer Glasvitrine liegt eine vom äußeren Erscheinungsbild eher langweilige und unscheinbare Waffe. Glänzen die anderen Ausstellungsstücke mit Elfenbein- bzw. aufwändigen Holzschnitzereien, so sticht dieses Gewehr mit einer offenbar dunklen und blutigen Geschichte hervor. Ist das wirklich das vermeintliche Corpus Delicti, aus dem die Todesschüsse auf König Ludwig II. und Dr. Gudden abgefeuert wurden? Im Jahr 1840 wurde diese Windbüchse, System Girardoni, signiert D. Tanner, in Hannover hergestellt. Der Vorläufer unserer Luftgewehre stammt aus dem Besitz der preußischen oder wittelsbachischen Hofgewehrkammer (die exakte Herkunft lässt sich heute nicht mehr aufklären). Das zwanzig Kugeln umfassende Magazin, das seitlich am Gewehrlauf in einem kleinen Rohr angebracht ist, konnte in kürzester Zeit abgefeuert werden. Mühsames Nachladen nach jedem Schuss war somit unnötig. Ein Luftbehälter am Ende des Laufs konnte auf einen Druck von knapp 130 Bar gepumpt werden; dieser beschleunigte die Kugeln bis zu einer Geschwindigkeit von 150 Metern pro Sekunde. Kein Pulverrauch zeigte sich, keine verräterischen Patronenhülsen blieben zurück, und vor allem: Kein allzu heftiger Knall wäre für eventuelle Zeugen zu hören gewesen.

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Autor/in: Patrik Hof

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