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Gold

Gold - Das Metall der Unsterblichkeit

Gold ist wie kein anderes Metall mythisch aufgeladen: Es steht für unseren Wunsch nach Unvergänglichkeit. Das heißt nicht, dass es nicht verschwinden kann. Verschwörungstheoretiker behaupten, dass die Staatsschätze längst für die Schulden draufgegangen sind

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Goldbarren: Der Stempel beweist, dass es sich um Gold mit der höchsten Reinheit handelt.
iStockphoto

Die Schatzkammer der amerikanischen Regierung gilt als die sicherste der Welt. Sie befindet sich in einem zwölf Meter hohen Gebäude auf dem Militärgelände Fort Knox im USBundesstaat Kentucky und wird  Bullion Depository genannt: Verwahrstelle für Goldbarren. Der Tresor wurde 1936 gebaut, kurz nachdem die US-Regierung beschlossen hatte, alle privaten Goldbestände zu verstaatlichen. 500 Eisenbahnwaggons waren damals notwendig, um das Gold der Amerikaner nach Fort Knox zu schaffen. Der Aufwand, der zur Sicherung des Edelmetalls betrieben wird, ist beachtlich. Für den Bau auf dem Grundstück an der Ecke Bullion Boulevard und Gold Vault Road wurden 453 Kubikmeter Granit, 3200 Kubikmeter Beton und 1420 Tonnen Stahl verwendet. Das Gebäude ist 37 Meter lang und 32 Meter breit. Über dem mit Marmor verkleideten Haupteingang prangen die Worte: »United States Depository« und das goldene Siegel des US-Schatzamtes. Die Goldbarren allerdings werden über einen unauffälligen Hintereingang anund ausgeliefert.

Der eigentliche Tresorraum innerhalb des Hauptgebäudes ist etwa so groß wie eine Vierzimmerwohnung und geht über zwei Stockwerke. Seine Wände, der Boden und die Decken bestehen aus Stahlplatten und stählernen T-Trägern, die mit Beton verkleidet und 63 Zentimeter dick sind. Der einzige Zugang ist eine 22 Tonnen schwere Tür der Mosler Safe Company. Sie wurde aus einer geheimen Stahllegierung hergestellt. Dicke: 53 Zentimeter. Um sie öffnen, müssen mehrere Mitarbeiter am Zahlenrad unabhängig voneinander einen nur ihnen bekannten Code einstellen. Wenn die Tresortür geschlossen wird, sorgt eine Zeitschaltung dafür, dass sie in frühestens 104 Stunden wieder geöffnet werden kann. Sollte jemand aus Versehen im Tresorraum eingesperrt werden, gibt es einen engen Fluchttunnel, der nur von innen geöffnet werden kann und in das Hauptgebäude führt. Er hat etwa den Durchmesser eines Kanalisationsrohres, durch das sich ein erwachsener Mann gerade noch hindurchzwängen kann.

Außerhalb des Gebäudes ist das 3. Infantry Brigade Combat Team mit Panzerfahrzeugen und Kampfhelikoptern stationiert. Das Bullion Depository selbst ist umgeben von Minenfeldern, Laserdetektoren und Selbstschussanlagen. Es verfügt über einen eigenen Schießstand für die Wachmannschaft im Keller, über Notstromaggregate und eine unabhängige Wasserversorgung. Im Notfall kann der Tresorraum angeblich wie die unterirdischen Safes der französischen Nationalbank  in Paris geflutet werden – dem Gold macht das nichts, es ist rostfrei. Im Inneren des Tresorraumes befinden sich 28 mit mehreren Schlössern und Wachssiegeln gesicherte Schatzkammern. In ihnen ist das Gold bis zur Decke gestapelt. Nach aktuellen Angaben sollen es 368 000 Goldbarren mit einem Gesamtgewicht von 4577 Tonnen und einem Wert von 250 Milliarden Euro sein (Stand: März 2012).

Es ist einer der größten Schätze der Menschheit. Und der Mittelpunkt einer Verschwörungstheorie. Im Internet zirkulieren seit Jahren Gerüchte, dass Fort Knox nicht viel mehr sei als eine Filmkulisse. Die USA seien pleite, das Gold längst weg. Die Legende vom Goldschatz diene nur noch dazu, die Menschen im Glauben zu wiegen, wirtschaftlich sei alles gar nicht so schlimm und Amerika nach wie vor die größte Macht der Welt. Was ist dran an dieser Verschwörungstheorie? Die Regierung und das amerikanische Schatzamt behaupten natürlich, das Gold sei noch immer da. Aber niemand durfte den Schatz bisher sehen. Selbst allen amerikanischen Präsidenten seit Franklin D. Roosevelt wurde der Zutritt untersagt. John F. Kennedy, Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama – keiner von ihnen bekam jemals Zutritt zu den Goldkammern. Nur ein einziges Mal, am 23. September 1974, ließ das US-Schatzamt einen Trupp von Abgeordneten und Fachjournalisten in das Bullion Depository in Fort Knox. Auch damals ging es darum, Verschwörungstheorien zu widerlegen. Aber wurden sie wirklich widerlegt?

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.2 (9 Bewertungen)
Autor/in: Michael Kneissler

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