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Archäologie

Germanische Buchstaben erfreuen Forscher

Die Entdeckung einer Runenaufschrift führt zu neuen Erkenntnissen über germanische Fundstücke

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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So ähnlich sehen auch die Runen auf dem Kamm von Erfurt aus
Anna-Lena Ramm / pixelio.de

Zwölf Jahre nach der Ausgrabung eines rund 1700 Jahre alten Kamms haben Forscher kürzlich eine überraschende und erfreuliche Entdeckung gemacht: Bei einer erneuten Untersuchung des handgroßen Haarpflegeutensils aus Erfurt erkannten sie auf dem Griff des Kamms vier kleine Buchstaben in Runenschrift. Der Kamm aus Hirschgeweih war bereits im Jahr 2000 in einer ehemaligen Opfergrube im heutigen Erfurter Stadtteil Frienstedt gefunden und anschließend restauriert worden.

Die unlängst entdeckte Zeichenfolge „kaba“, zu Deutsch „Kamm“, gibt nun neue Aufschlüsse über die Entstehungszeit des Utensils: Der Archäologe Christoph G. Schmidt vom Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Gottorf erklärt, dass das Fundstück auf die Zeit um 300 n. Chr. datiert werden kann. Diese Erkenntnis identifiziert den Kamm als das bislang älteste bekannte Zeugnis für die germanische Runenschrift in Mitteldeutschland. Andere Gegenstände mit Runenaufschrift finden ihre Datierung erst 250 Jahre später.

Daraus schlussfolgert Schmidt die Existenz einer eigenen, sehr früh entstandenen westgermanischen Runentradition, die – anders als bisher angenommen – nicht zwingend aus Skandinavien stammt. Die Grammatik sowie die dreieckige Form des Griffs lassen vermuten, dass germanische Handwerker vom Kontinent das Stück gefertigt haben, ergänzt Schmidt.

Der Fundort selbst gilt unter Archäologen als Kultplatz aus der Zeit vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. und ist inzwischen wegen seiner hohen Zahl an Bronzenfunden bekannt. "Es wurden etwa 1800 Bronzeobjekte geborgen, die meisten davon stammen aus dem Römischen Reich“, so Schmidt.

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17.04.2012

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