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Tiere
Feindliche Bestien, nützliche Haustiere
Zuerst ging es dem urzeitlichen Menschen nur um Fleisch und Fell der tierischen Zeitgenossen. Doch dann entdeckten Ötzi und seine Verwandten, wie vorteilhaft es sein kann, wenn man wilde Tiere zähmt ...
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY 08/2011
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Schon wieder ein Tierknochen, ich glaube, das war einmal ein Nashorn«, ruft der junge Archäologe und hält triumphierend einen mächtigen Unterkieferknochen hoch. Die Forscher aus dem Team des Archäologen Dietrich Mania von der Universität Jena gruben in den 1970er-Jahren nicht etwa in Afrika - wie der Fund eines Nashorns vermuten lässt -, sondern bei der Ortschaft Bilzingsleben in Thüringen, wo vor etwa 370 000 Jahren Steinzeitmenschen gelebt haben.
Die Knochen von tierischen Zeitgenossen wie Waldnashorn, Waldelefant, Bison, Wildpferd, Rothirsch, Panther, Wildschwein, Bär, Wolf und Höhlenlöwe auf dem Siedlungsareal zeugen von direktem Kontakt mit den damaligen Frühmenschen. Solche Skelettreste könnte man als »Küchenabfälle« bezeichnen, denn diese Tiere waren damals die bevorzugte Jagdbeute der umherziehenden Menschen, die sie erlegt, an den sicheren Siedlungsplatz geschleppt und dort in Ruhe verarbeitet hatten. Gefährliche Raubtiere wie den Höhlenlöwen mieden die Jäger normalerweise, denn mit einer Schulterhöhe von 1,5 Meter war der ziemlich Furcht einflößend. Die Frühmenschen versuchten ihn nur zu erlegen, wenn sie angegriffen wurden. Schließlich standen sie selbst auf dem Speiseplan dieses imposanten Raubtieres. Die Jagd auf Pflanzenfresser wie den Waldelefanten oder das Mammut war ebenfalls nicht ungefährlich: Ein ausgewachsenes Mammut wog etwa sechs Tonnen und maß drei Meter, während Waldelefanten sogar eine Größe von über vier Metern erreichen und bis zu elf Tonnen wiegen konnten.
Dementsprechend groß war aber auch ihre Fleischmenge, und umso lohnender war es für die Menschen, einen solchen Koloss zu erlegen. Aufgrund ihrer Größe hätten Elefanten- und Mammutherden die Jäger eigentlich nicht sonderlich fürchten müssen. Die Steinzeitmenschen waren jedoch geschickt und entwickelten ausgeklügelte Jagdmethoden. Höhlenzeichnungen zeigen zum Beispiel, wie sie die Tiere mit Hilfe von Fackeln in Abgründe oder Fallen drängten. Unsere Vorfahren nahmen solche riskanten Jagden auf sich, weil sie keine andere Wahl hatten. Nur die Großwildjagd lieferte zu dieser Zeit genügend Nahrung, um das Überleben zu sichern. Vom Sammeln von Pflanzen und Beeren wurden die Sippen nicht satt. Nicht immer stand den Menschen der Steinzeit die gleiche Beute zur Verfügung. Sie mussten sich durch den wiederkehrenden Wechsel von Kalt- und Warmzeiten über Jahrtausende hinweg auf andere Pflanzen und Beutetiere umstellen.
Mammut, Wollnashorn, Rentier, Moschusochse oder Höhlenbär bevorzugten die länger andauernden kalten Zeiten. In wärmeren Epochen lebten Rehe, Wildschweine, Auerochsen, Bisons, Elche, Waldelefanten, Waldnashörner, Damhirsche oder Flusspferde im heutigen Europa. In Warmzeiten starben die Tiere der Kaltzeiten aber normalerweise nicht aus, sie wanderten jeweils ab und wieder ein. Die kälteliebenden Tiere hatten ihr Kerngebiet im östlichen Europa und in Sibirien und zogen nach Westen, sobald es das Klima erlaubte. Die Tiere, die Wärme bevorzugten, siedelten im Mittelmeerraum und brachen nach Norden auf, sobald die Temperaturen dort hoch genug waren. Einige Tiere kamen mit jedem Klima klar und waren immer in der Umgebung der Menschen zu finden. Zu ihnen gehörte neben Pferd, Hirsch, Höhlenbär und -löwe auch der Wolf.
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