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Verschwörungstheorien

Die Geheimloge »Skull and Bones«

Die Mitglieder des Ordens »Skull and Bones« stammen aus den ältesten und reichsten Familien der USA. Seit vielen Generationen unterwandern sie Politik, Wirtschaft und Justiz. Und immer wieder werden sie als Drahtzieher von Verbrechen genannt.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Verschwörung und kein Ende: die Geheimloge "Skull and Bones" (im Bild das Logo des Ordens) ist Nährboden für unzählige Verschwörungstheorien 
Wikimedia Commons

Es war das Jahr des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2004. Schon Monate vor ihrem ersten großen TV-Rededuell wurden die Kandidaten für das Weiße Haus von NBC-Starmoderator Tim Russert getrennt interviewt. Der republikanische Amtsinhaber George W. Bush und sein demokratischer Herausforderer John Kerry – zwei Männer, die bis heute wenig eint. Als Russert sie jedoch auf ihre Mitgliedschaft in einem studentischen Orden der Yale University mit dem Namen »Skull and Bones« (Schädel und Knochen) ansprach, antworteten beide fast gleichlautend: »Das ist so geheim, darüber kann ich nicht sprechen.« Offenbar hatten George W. Bush und John Kerry also doch etwas gemeinsam.

Jedes Mitglied des Ordens hätte so geantwortet, denn die »Bonesmen« (Knochenmänner), wie sie sich nennen, sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. In den Satzungen heißt es sogar, dass Mitglieder des Geheimclubs umgehend den Raum verlassen müssen, wenn sich ein Gespräch diesem Thema nähert. Das ist bei einem Fernsehinterview natürlich schwierig.

Es war das erste Mal in der Geschichte der USA, dass beide Parteien Bonesmen als Präsidentschaftskandidaten aufstellten. Aus Sicht des Ordens war das Rennen damit bereits gelaufen, denn einer aus ihren Reihen würde auf jeden Fall siegen: Bush (Aufnahmejahr 1968) oder Kerry (Aufnahmejahr 1966). Alexandra Robbins, Journalistin und Kennerin der amerikanischen Geheimbundszene (sie ist selbst Mitglied in einem Yale-Orden namens »Scroll and Key«), sagt: »Im Grunde genommen werden die Vereinigten Staaten seit Jahren von Skull and Bones regiert.«

Damit untertreibt sie ein wenig: Der aus einer studentischen Vereinigung hervorgegangene Orden (nach außen hin ist er nach wie vor nichts anderes als das) stellte mit George W. Bush nicht nur seinen dritten Präsidenten – Senatoren, Kongressabgeordnete, Kabinettsmitglieder und Bundesrichter zählen seit fast zwei Jahrhunderten zu den Mitgliedern von »The Order«, wie der Orden im internen Sprachgebrauch heißt. Die größte Bonesmen-Dichte unter den amerikanischen Regierungs-Organisationen weist der Geheimdienst CIA auf. Der Historiker und Yale-Professor Gaddis Smith sagt deshalb: »Die CIA hat den Charakter eines Klassentreffens.« Die 300-Jahr-Feier der Yale University im Jahre 2001 war denn auch ein Schaulaufen der Reichen und Mächtigen des Landes – die Bonesmen allen voran.

Gerüchte um »Skull and Bones«

Die zum Teil haarsträubenden Gerüchte über die geheimen Skull-and-Bones-Aktivitäten sind selbst verschuldet. »Die große Stärke unseres Ordens liegt in seiner Verschwiegenheit«, sagt ein Mitglied. Aber das hat auch eine Kehrseite: Wer sich zu nichts äußert und nichts dementiert, sondern stattdessen den Nimbus des Supergeheimen sorgsam pflegt, ist die ideale Zielscheibe für Beschuldigungen und Verschwörungstheorien. Der deutsche Geheimbund-Experte Andreas von Rétyi sagt, was viele denken: »Hinter der sichtbaren Regierung der USA steht ein finsteres Gebilde, dessen zentraler Kern die Bonesmen sind. Die auf ihren geheimen Treffen gefällten Entschlüsse gleichen Urteilen eines Weltgerichts. Sie stellen die Weichen für den künftigen Kurs der Geschichte.«

1832 war ein ereignisreiches Jahr: Goethe stirbt, und Wilhelm Busch wird geboren, der letzte Indianerkrieg endet mit der Gefangennahme des Sauk-Häuptlings Black Hawk, beim Hambacher Fest an der Pfälzer Weinstraße wird der Grundstein zur deutschen Demokratie gelegt, in Paris brennen die Straßen­barrikaden, in New York fährt die erste Straßenbahn. Und in Connecticut gründet der Yale-Student William Huntington Russell eine Burschenschaft, die er »Bro­therhood of Death« nennt – einen von Hunderten Studentenclubs, die zu jener Zeit in Europa und Amerika aus dem Boden sprießen. Das Vereinswappen gleicht einer Piratenflagge: gekreuzte Gebeine unter einem Totenschädel – Skull and Bones.

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Autor/in: Karsten Flohr

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