Vielwisserei lehrt nicht, Vernunft zu haben.
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Cäsar und Augustus
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Pharaonen
Das geheime Wissen der Pharaonen-Ärzte
Schon vor 5000 Jahren nahmen Gelehrte im Alten Ägypten auf verblüffende Weise Errungenschaften der modernen Medizin vorweg: Sie setzten künstliche Gliedmaßen ein, sie bohrten Schädel auf – und sie sagten Schwangeren voraus, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen bekommen
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Es stand schlecht um Königin Nimaathapi, Gattin des Pharaos Chasechemui, der Mitte des dritten Jahrtausends vor Christus herrschte. Sie hatte zwar einen gesunden Sohn zur Welt gebracht, lag nun jedoch im Sterben: Stunde um Stunde verlor sie mehr Blut, ihre Hebammen waren hilflos. Bis der Pharao einen jungen Mann holen ließ, von dem Wunderdinge erzählt wurden: den Arzt Imhotep. Und tatsächlich: Er stillte die Blutung, indem er den Dammriss nähte, die Ursache des Problems. Den anwesenden Frauen empfahl er: »Auf diese Wunde müssen Kompressen aus frischem Fleisch gelegt und fünfmal täglich erneuert werden. Darüber hinaus soll die Königin mit Rindergalle vermischte Kuhmilch trinken.« Nimaathapi überlebte. Der Sohn regierte Ägypten später als Pharao Djoser (2635 bis 2612 v. Chr.), und der Arzt Imhotep wurde an seiner Seite zum zweitmächtigsten Mann des Landes. Ob die Rettung der Königin Legende ist, darüber streiten Ägyptologen. Unstrittig ist, dass es Imhotep tatsächlich gab, wenngleich er ein wahrer Übermensch gewesen sein muss. Historiker nennen ihn den »Leonardo da Vinci der Antike«: Er war Astronom, Mathematiker, Bildhauer, Architekt der ersten Pyramide (in Sakkara) und ein so bedeutender Mediziner, dass die Griechen ihn später zu ihrem Gott Asklepios machten.
Das Wichtigste jedoch: Imhotep, dessen genaue Lebensdaten unbekannt sind, gründete in Memphis die erste Universität Ägyptens, in der das medizinische Wissen der damaligen Zeit gelehrt und schriftlich festgehalten wurde – eine revolutionäre Neuerung, hatten doch die Heiler und Schamanen bislang ihr Wissen streng gehütet und nur an wenige Auserwählte weitergegeben. Der Dichter Homer (8. Jahrhundert v. Chr.) ließ später seinen Odysseus von den Ärzten der Pharaonen schwärmen. Und der griechische Völkerkundler Herodot (484 bis 424 v. Chr.) vermerkte, in Ägypten wimmele es von erstklassigen Medizinern; gekrönte Häupter aus allen Regionen der damaligen Welt forderten ägyptische Ärzte an, wenn es um Leben und Tod ging. Selbst aus heutiger Sicht erscheint der ärztliche Ruhm nicht unbegründet: Als »überaus modern und fortschrittlich« bezeichnet die Berliner Ägyptologin Sylvia Falke die Pharaonen-Medizin, ihr Göttinger Kollege Professor Wolfhart Westendorf ergänzt: »Wir müssen bewundernd feststellen, wie treffsicher sie ihre Heilmittel einsetzten.« Ein Geheimnis der ägyptischen Superärzte – neben ihren Universitäten und Bibliotheken – erkannte Jahrhunderte später der griechische Geschichtsschreiber Diodorus (1. Jh. v. Chr.): »Jeder Arzt dort behandelt nur eine bestimmte Krankheit, nicht mehrere. Sie haben Ärzte für die Augen, für den Kopf, für die Zähne, für den Leib und für die inneren Krankheiten. Und es ist alles voll von Ärzten!«
Richtig beobachtet: Die Ägypter waren die Ersten, die medizinische Spezialisten ausbildeten, vergleichbar unseren heutigen Fachärzten. Und die waren nicht nur für die feine Gesellschaft da. Antike Touristen und Händler staunten über die flächendeckende Krankenversorgung sowie über die einzigartige Hygiene im Land: kein Kot auf den Straßen, stattdessen Toiletten, Rohrleitungen und Abwasserkanäle. »Häuser des Lebens« hießen die Universitäten, an denen die Mediziner ausgebildet wurden. Es werden wohl Hunderttausende Ärzte gewesen sein, die hier geschult wurden, nur etwa 100 Namen sind überliefert: Man kennt Hesire, den »Chef der Zahnärzte«, Metjerhotep, den »Obersten der hervorragenden Ärzte« oder Pentu, »der im Palast ein- und ausgeht« (gemeint ist der Palast Echnatons). Und man weiß von der Existenz einer gewissen Penseschat, der »Vorsteherin der weiblichen Ärzte«, was darauf schließen lässt, dass es auch Ärztinnen gab.
Der bahnbrechende Vorteil der »Häuser des Lebens«: Den Studenten stand die jahrtausendelange Erfahrung ihrer Vorgänger zur Verfügung, sie konnten sich persönliche Abschriften der Lehrbücher erstellen lassen. Und das Studium war genau geregelt: »Wir mussten die Lehre der Arzneien durchgehen und die Pflanzen kennenlernen, mussten lernen, sie zur rechten Zeit zu sammeln und zu trocknen, denn ein Arzt muss seine Heilmittel selbst zubereiten«, schildert circa 1900 v. Chr. der Hofbeamte Sinuhe (nicht zu verwechseln mit der Romanfigur »Sinuhe, der Ägypter «). »Wir mussten die Namen aller Körperteile sowie die Aufgabe und Arbeitsweise der menschlichen Organe kennenlernen, wir mussten lernen, mit Messer und Zahnstange umzugehen ... die Krankheit eines Menschen aus seinen Körperhöhlungen und durch Betasten seiner Haut herauszufühlen... vor allem aber sollten wir lernen, in den Reden der Patienten das Wahre vom Unwahren zu unterscheiden.« Bevor es so weit war, wurde der angehende Student zunächst einem Arzt als Gehilfe zur Seite gestellt. Er trug dessen Medizinkoffer, assistierte und diente ihm, bis der Arzt entschied, dass er reif fürs Studium sei.
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