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Abstieg in die Unterwelt

Im Jahre 1300 wagte der Dichter Dante Alighieri den Blick ins Reich der Verstorbenen. Sein Buch »Göttliche Komödie« beschreibt den Trip durch die Hölle als Tatsachenbericht – und avancierte zum Bestseller
 

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Dante Alighieri - ein Poet aus Florenz in Luzifers Wohnzimmer.Dante Alighieri - ein Poet aus Florenz in Luzifers Wohnzimmer.

Dante Alighieri - ein Poet aus Florenz in Luzifers Wohnzimmer.

iStockphoto
Haben Sie Zeit für einen Abstecher in die Hölle? Ins Reich des ewigen Leids? Keine Sorge. Er dauert nicht allzu lang. Denn man ist ganz schnell vor Ort. Der Eingang befindet sich in einem dunklen Wald. Dann folgt man einem steilen Gang, der immer tiefer ins Erdinnere führt, und bald steht man mitten im Geschehen. Ach ja: Die Hölle ist in neun Kreise eingeteilt, die 
immer schmaler werden, sodass dieser Ort 
der Verdammnis letztlich die Form eines Trichters hat, dessen Spitze sich in der geografischen 
Mitte der Erde befindet. Und diesen Krater 
hat Satan bei seinem Sturz aus dem Para-
dies hinterlassen.
So beschreibt jedenfalls der florentinische Dichter Dante Alighieri in seinem Hauptwerk, der »Göttlichen Komödie«, seine Reise in die Hölle (»Inferno«). Im ersten Jahrzehnt des 
14. Jahrhunderts hat er diese bisher ausführlichste Wegbeschreibung zur Heimat der verlorenen Seelen verfasst. Wie die meisten gebildeten Menschen seiner Zeit glaubte er, dass die Erdmitte etwa 3250 Meilen (eine Meile ist gleich tausend Schritte) von der Oberfläche entfernt im Inneren der Erde liegt. Aber keine Angst, man kann diese Entfernung schnell zurücklegen, wenn man sich in der Geisterwelt befindet. Die Reise dauert nämlich kaum 24 Stunden – so lange brauchte zumindest Dante. Platz für gequälte Seelen ist dort mehr als genug, und es gibt viel Grauenhaftes zu sehen.
Auch wenn dieses Bild der Hölle nur Dichtung ist, waren viele Zeitgenossen Dantes überzeugt, dass er tatsächlich diese gruselige Unterwelt besucht hatte. Wo sich der geografisch reale Eingang zu seiner Hölle genau befindet, hat er nicht verraten. Manche seiner Leser tippten auf Jerusalem, manche auf Babylon, Cumae (in Kampanien) oder auch Florenz.


Er selbst verrät nur, dass seine Reise am Karfreitag des Jahres 1300 begann. Für Christen ist der Karfreitag seit jeher ein Tag, eines schrecklichen Geschehens zu gedenken. Und noch etwas: Der Dichter, damals Anfang 35, vermerkt, dass er sich in dieser Zeit in einer schweren Lebenskrise befindet: »Auf der Hälfte des Weges unseres Lebens fand ich mich in einem finsteren Wald wieder, denn der gerade Weg war verloren.« Er wisse aber nicht, wie er sich in diesen Wald verirrt habe, berichtet er. Er sei »wie in einem Schlaf« gewesen. Der Wald machte ihm Angst, und er suchte nach einem Ausweg. Nun erblickte er einen Hügel, auf dessen Gipfel er Lichtstrahlen wahrnahm, und stieg eifrig hinauf, weil er sich 
Rettung erhoffte. Wie aus dem Nichts sprang ihm da ein bedrohlicher Panther in den Weg. 
Er floh, aber nun erblickte er einen Löwen, 
der ebenfalls seinen Aufstieg verhinderte, und schließlich stierte ihn eine gierige Wölfin an. 
Es blieb ihm nichts anderes übrig: Er hastete 
in den dunklen Wald zurück – noch hoffnungsloser als zuvor. Plötzlich stand ein ihm unbekannter Mann vor ihm. Dante – beziehungsweise das »Ich« seiner Erzählung – flehte ihn um Hilfe an. Der Mensch stellte sich als Geist des römischen Dichters Vergil vor. Er habe – von »oben« – die Aufgabe, dem Verirrten den Weg zu weisen, verkündete er. Denn Dante sei auserwählt, 
das Jenseits von der Hölle bis ins Paradies 
zu besichtigen und könne so die eigene Seele läutern. Die Schilderung dieser Reise durch Hölle, Fegefeuer und Paradies erschien nach dem Tod des Dichters unter dem Namen 
»Göttliche Komödie«.
 

Schon immer war es aber die Darstellung der Hölle, die die Leser am meisten faszinierte. Goethe fand das Paradies ausgesprochen »langweilig«, was natürlich nur seine persönliche Meinung war. Das »Inferno« 
aber hat seine Aufmerksamkeit gefesselt: »Mir kommt die Hölle ganz abscheulich vor«, schrieb er. Ja, es ist so abscheulich, dass jeder Dante gern in dieses Gruselland begleitet. Der Weg in die Hölle ist rau und steil, und Dante, der Pilger, folgt seinem Reiseleiter 
Vergil auf Schritt und Tritt. Dante hätte übrigens keinen Geeigneteren finden können als Vergil. Denn dieser hatte selbst in seinem berühmten Epos, der »Aeneis«, einen Besuch in der Unterwelt beschrieben. Der Dichter Dante hat daraus einige Anregungen für das eigene Werk direkt übernommen.
Nach langem Umherirren erreichen die zwei Wanderer ein Tor. Im trüben Licht kann Dante die dunklen Buchstaben einer Inschrift lesen, die ins Tor eingraviert sind. Es ist eine grausame Botschaft: »Durch mich geht’s ein zur Stadt des Jammers, durch mich geht’s ein zur endlosen Qual, durch mich geht’s ein zu den verlorenen Menschen (...). Lasst alle Hoffnung fahren, wenn ihr hier hereinkommt.« Erste Lektion über die Hölle: Es gibt dort keine Hoffnung, nur Jammer, Qual und Einsamkeit.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in P.M. HISTORY 1/2011 »Teufel, Hexen und Dämonen«  - noch bis 11. November 2011 im Zeitschriftenhandel

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3 (7 Bewertungen)
Autor/in: P.J.Blumenthal


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