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Cayman R
Giftiges Reptil im Porsche-Pelz
Er steht im Schatten seines großen Bruders, des 911 Carrera. Nach einer Kraft- und Gewichtskur weiß aber der kleine Cayman sich zu wehren. Von Wolfgang Stegers
Wer das „R“ im Namen trägt, will sagen: fit für die Rennstrecke. Will man ernst genommen werden, sind dafür vor allem zwei Ingredienzien notwendig: weniger Gewicht, mehr Leistung. Der Cayman R ist die scharfe Variante des Mittelmotorsportwagens von Porsche mit dem 3,4 Liter Boxermotor.
Das Training dafür beginnt bereits am Montageband. Hier wird Stahlblech durch Leichtmetall ersetzt. So besteht die schwarzlackierte Fronthaube ebenso aus Aluminium wie auch die Türen. Teilespender ist hier der 911 Turbo. 30 Kilogramm werden so eingespart. Am Ende der Schlankheitskur wiegt der Cayman R 1295 Kilogramm. Die Schlankheitskur lässt sich durch eine kleine Starterbatterie auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie fortführen – weniger teurer, vielleicht auch gesünder, ist die Abspeckkur der Piloten hinterm Volant.
Auch die Motoreningenieure zahlen auf das „R“ ein. Sie dopen den 3,4l-Sechszylinder-Boxermotor um 10 PS auf 330 PS bei bis auf 7400 Umdrehungen gesteigerten Drehzahlen. Bewusst haben sie das Triebwerk sportlich ausgelegt. Knapp vor der Höchstdrehzahl, nur 100 Umdrehungen darunter, wird die maximale Leistung erreicht. Dadurch wird auch die Charakteristik des nach Drehzahlen gierenden Motors bestimmt.
Weniger Gewicht und höhere Leistung sind die beiden Grundvoraussetzungen, um von der Papierform her schneller zu werden. Umgesetzt und erfahrbar wird dies aber erst mit dem Fahrwerk. Dies fein und präzise abzustimmen, ist eine der Kernkompetenzen der Zuffenhausener, wenn man so will, das Erbe der mit diesem Geburtsfehler gestarteten Hecktriebler, die gern übersteuernd schleuderten. Diese Untugend ist den Elfern längs ausgetrieben. Beim Cayman und dem ihm verwandten Boxster der Baureihe 986 hingegen, haben die Ingenieure den Motor auf die Rückbank des Elfer gesetzt und so einen Mittelmotorwagen mit idealer Gewichtsverteilung konstruiert. Gleichmäßig teilen sich Vorder- und Hinterachse die Kilos. Damit wird nicht nur ein neutrales Fahrverhalten sondern auch eine ungeheure Kurvengierigkeit erreicht.
Kompetenteste Stimme hierfür ist Rallyelegende Walter Röhrl. Er attestiert dem Cayman ein schon sensationelles Fahrverhalten. Dem Artisten hinter dem Lenkrad macht es dabei immer wieder Freude, mit dem vermeintlich schwächeren Auto bei diversen Fahrveranstaltungen den potenten Heckmotor-Sportwagen in Kurven derart die Hinterräder zu zeigen, dass der PS-Vorteil auf der Geraden vor der nächsten Kurve zum Überholen nicht ausreicht. Frei von Anstrengung, Angstschweiß oder zittrig versetzendem Fahrwerk durcheilt der Cayman R die Verbindungen zweier Geraden, so als ob er die physikalischen Gesetze der Fliehkraft nicht kennen würde. Mit der Gewichtsreduktion von insgesamt 50 Kilo gegenüber dem Cayman S sinkt auch der Schwerpunkt des „R“. Hinzukommen die steife Karosserie und die feinfühlige Lenkung.
Ihr Feedback könnte besser nicht sein. Die Lenkkräfte sind spürbar, nicht schwammig weggefiltert. Den Fahrzustand des Wagens auf der Straße meldet das straffe Fahrwerk, die Schalensitze halten den Piloten, der nicht versucht ist, sich ans Lenkrad zu klammern. Porsche bietet dem Cayman R den opulent bestückten Baukasten seiner Variantenvielfalt. Da kann auch im R das PDK Doppelkupplungsgetriebe geordert werden. Es erhöht zwar das Gewicht, vereinfacht aber die Fahrten von Rennstrecke zu Rennstrecke. Bummelnd in der siebten Fahrstufe auf Tour, lässt sich der Verbrauch bei Autobahntempo auf deutlich unter zehn, gar neun Liter senken.
Bei der Innenausstattung wird Alcantara verwendet. Der Himmel ist damit ausgeschlagen, das Lenkrad umnäht. Und nur Spezialisten erkennen, dass der 12-Uhr-Marker am Lenkradkranz, um die Geradeausstellung der Räder besser wahrzunehmen, nicht wie bei den RS Modellen einen farbigen Streifen ziert, sondern lediglich eingeprägt ist. Immer wieder stößt man auf die feinen Unterschiede zwischen den Baureihen 986 und 997. Die Zuziehschlaufen der RS-Modelle des elfer hat die R-Variante des Cayman auch. Die Keramikbremse wird auch beim R angeboten, allerdings in der baugleichen Variante zum Elfer, sodass der Gewichtsvorteil zur kleineren Stahlbremse des Cayman nur mit 3 Kilogramm zu Buche schlägt.
Wie fein austariert ist die Namengebung bei Porsche. Der Elfer kennt kein R-Modell. Wer mit dem Carrera auf die Rennstrecke will, der ist mit dem RS-Kürzel bestens aufgehoben – ganz gleich ob GT3 RS oder GT2 RS. Danach kommen die Profis mit dem Carrera 911 RSR. Wichtig aber ist vor allem, dass der Elfer der Platzhirsch bleibt. Zwar ist der 911 Carrera Turbo S nicht mehr der leistungsstärkste Porsche, aber der Cayman darf auf keinen Fall, in welcher Leistungsvariante auch immer, dem Elfer die Wurst vom Brot nehmen und Kreise um die Sporwagenikone fahren. So die Hausdoktrin in Zuffenhausen. Der Porsche 968 Turbo vermochte es – und Artisten wie Röhrl können es.
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