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Urin
Einmal mit Urin volltanken, bitte!
Urin ist weit mehr als ein körperliches Abfallprodukt. Zwei Forscherteams haben in unterschiedlichen Verfahren Treibstoff aus der Flüssigkeit gewinnen können. Autos und sogar Raketen sollen damit angetrieben werden.
Ein Mensch sitzt etwa sechs Monate seines Lebens auf dem Klo. Dabei erzeugt er kostbare Rohstoffe. Wissenschaftler der Ohio University wollen den menschlichen Urin als Treibstoff nutzen.
Urin enthält vier Wasserstoff-Atome. Diese „kleben“ weniger stark aneinander als jene im Wasser. Das ist ein entscheidender Vorteil, denn die Forscher wollen die chemischen Verbindungen mit Strom aufspalten. Im Fachjargon nennt man dieses Verfahren auch Elektrolyse.
Hochexplosiver Treibstoff
Da die Wasserstoffatome im Urin nicht so stark aneinander gebunden sind, braucht es bei deren Aufspaltung weniger elektrische Spannung. 0,37 Volt würden schon ausreichen. Zum Vergleich: Bei der Elektrolyse von Wasser braucht es 1,23 Volt.
Wasserstoff hat das Potential, Benzin Konkurrenz zu machen und sich auch gegen Elektro-Autos durchzusetzen. Mit einem Zehn-Liter-Tank könnten Strecken von bis zu 250 Kilometer locker bewältigt werden. Belastungen für die Umwelt wären dabei gering: hauptsächlich Wasserdampf wird ausgestoßen.
Einziger Wermutstropfen: Die Herstellung von Wasserstoff aus Urin ist teuer. Außerdem ist Wasserstoff hochexplosiv. Kommt er mit Luft in Berührung, gibt es ein Unglück. Das macht den Transport des Treibstoffes schwierig.
Mit Urin bis zum Mars
Niederländische Wissenschaftler von der Radbout Universität Nijmegen gehen derweil noch einen Schritt weiter. Sie wollen mit Urin bis zum Mars fliegen. Sie fanden heraus, dass das Bakterium „Brocadia anammoxidans“ sich vom Ammoniak im Urin ernährt. Dabei produziert es den Raketentreibstoff Hydrazin als Ausscheidungsstoff.
Ob die Astronauten bei der Mission auch genügend Urin ausscheiden würden, um die 228 Millionen Kilometer bis zum Roten Planeten zu überwinden? Daran zweifelt Studienleiter Mike Jetten. „Bis zum Marsflug vergehen ja noch einige Jahre“ – genug Zeit, um das Urin-Raumschiff weiter zu entwickeln.
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