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Porsche Panamera Diesel
Der SUV unter den Sportwagen
Noch können Dieselmotoren in Europa ihre Begünstigungen ausspielen und sich Vorteile verschaffen. Warum dann nicht einen großen Gran Turismo Sportwagen wie den Panamera mit einem Selbstzünder ausstatten? Ein Fahrbericht von Wolfgang Stegers
Er hat etwas von einem Wal, er grinst freundlich wie ein A380 und bewegt sich leichtfüßig wie ein Sumoringer. Ja, der Porsche Panamera polarisiert. Die Einen schwelgen im opulentem Luxus, die anderen beklagen seine üppigen Ausmaße und echauffieren sich am beengten Ausstieg durch die hinteren Türöffnungen, so, als ob Fondpassagiere Zylinder auf den Köpfen trügen.
Niedergeschrieben wurde der Panamera im deutschsprachigen Raum seit seinem Erscheinen, kritisiert als ein unpraktisches Automobil zur falschen Zeit. Jetzt, da die Dieselvariante bereitsteht, sind die Drehzahlen niedriger, beruhigen sich einige Gemüter. Vor allem diejenigen, die den Selbstzünder als vorteilhafteste Antriebsquelle erachten. Sie blenden dabei gerne den A-priori-Vorteil des um gut 11 Prozent höheren Energieinhalts des Niedrigdestillats aus, vergessen den enormen technischen Aufwand der chemischen Abgasreinigung und sehen auch die höhere Kfz-Besteuerung nicht, schielen aber auf den Literpreis an der Tankstelle.
Also gut, im Panamera werkelt jetzt ein 250 PS(184 kW)-Sechszylinder-Dieselaggregat mit knapp drei Litern Hubraum. Bewusst wurde nicht der V8 aus dem Audiregal gewählt, denn der leistet 350 PS (258 kW) und hätte für zu viel Aufregung im Zuffenhausener Variantenmix gesorgt. Der kleinere Turbomotor mit variablen Leitschaufeln und Hochdruckpiezoeinspritzung von 2000 bar gibt sich bescheiden beim Verbrauch. Wenn der 80-Liter fassende Tank randvoll gefüllt ist und zuvor das Gaspedal mehr gestreichelt als getreten wurde, leuchtet eine vierstellige Kilometerangabe als Reichweite im Display. Das mag manche fröhlich stimmen, macht den 1,8 Tonnen schweren, leergewichtigten Wagen auch nicht leichter, erhöht aber seine Qualitäten als Ausdauersportler auf der Langstrecke.
Hier aber kann der Panamera mit dem Achtstufen-Automatikgetriebe als Reiselimousine auftrumpfen. Die Autobahn ist sein Revier - sofern nicht die linke Spur im Baustellenbereich für den 1,93 Meter breiten Wagen für manch seiner weniger beherzt angasenden Piloten als zu beengt erscheint. Aber dieses Los teilen sie mit den SUV-Fahrern. Da ist Spurtausch mit den Smartfahrern angesagt. Denn sie können auch mal auf die Überholspur wechseln, während der Porsche-Pilot die Ladebordwand des Lkws vor Kühler und Augen hat. Ansonsten kennt die Fernstrecke keine winkligen Parkhäuser, enge Garageneinfahrten für den mit einem Lenkradius von 12 Meter ausgestatteten Sport Utility Vans unter den Sportwagen.
Das Gesetz des Schiffbaus gilt auch für den Panamera: Länge läuft. Mit seinen fünf Metern (497 cm) und einem Radstand von 292 Zentimetern liegt der Wagen satt und unbeirrbar auf der Straße, federt der Aufbau je nach Gusto von höchst komfortabel bis knackig sportlich. Das elektronisch geregelte Fahrwerk bietet die Auswahl per Knopfdruck. Maritime Anleihen von Yachten finden sich auch im Inneren. Gerade die aufsteigende Mittelkonsole und die sauber gezeichneten Instrumente mit ihrer porschetypischen Anordnung lassen dieses Feeling aufkommen.
In Zuffenhausen ist man über den Absatz des Panamera hoch erfreut. Vor allem auch deswegen, weil er immer wieder mal bei en deutschen Zulassungen das Flaggschiff von Audi, den A8, übertrumpfen kann. Auf dem boomenden asiatischen Markt wird der Wagen auch als Chauffeurslimousine wahrgenommen. Da passt es, dass die beiden hinteren Sitze identisch mit den vorderen sind. Auf ihnen taucht man tief ein und sollte frei von klaustrophobischen Ängsten sein. Achtung, die Sitzhöhlen schirmen die Umwelt ab. Platz ist dabei reichlich vorhanden und so kann die „private isolation“ auch genossen werden.
Stadtverkehr, Stop-and-Go oder Stehen im Stau wird beim Panamera auch deswegen zum Vergnügen, weil sich der Motor abschaltet und die luxuriöse Innenausstattung in aller Ruhe genossen werden kann. Gleichzeitig wird den Passagieren bewusst, wie laut ein Diesel seine Arbeit verrichtet, springt der XLarge-Wagen mit dem großen, variablen Kofferraum von 445 bis 1263 Litern mithilfe von Start-Stopp wieder an. Den Fuß von der Bremse und aufs Gas, setzt sich der Wagen in Bewegung.
Wer es ausprobieren mag, schafft den Sprint auf Tempo 100 in knapp unter sieben Sekunden, ein Wert, der keine bleibenden Spuren auf dem Asphalt hinterlässt. Ähnliches gilt auch für die Höchstgeschwindigkeit. Auch wenn die Tachonadel gerne die 250er Marke überschreitet, echte 250 km/h sind es nicht. Eher würde der Langstreckenfahrer sein Ziel auch nicht erreichen. Ihn freut mehr, auf zeitintensive Tankstopps verzichten zu können und sind nicht in die Schlagen der Kunden einreihen zu müssen, die ihren Wochenendeinkauf an der Tanke erledigen.
Mit dem Panamera bietet Porsche seinen Kunden ein leichtes Umsteigen, sollte der Elfer ihnen zu sportlich geworden sein und der Cayenne zu wuchtig erscheinen. Da ist das viertürige Coupé gerade richtig, um als Best Ager jetzt ohne Kind und Kegel aber mit Golfgepäck und Vuitton-Koffer luxuriös unterwegs zu sein. Die Porschepreise mit ihrer endlos erscheinenden Aufpreisliste werden da eher stoisch hingenommen. First Class A380 fliegen kostet ja auch ein kleines Vermögen.
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