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Mercedes SLS-AMG Roadster
Brunftgesänge eines Super-Sportlers
Mit dem SLS-AMG Roadster bietet Mercedes nun nach zwei Jahren die offene Variante an. Das harmonischere Auto hat das Zeug, den Flügeltürer zu übertreffen. Von Wolfgang Stegers
Der Mercedes SLS-AMG hat all das, was einen Super-Sportwagen auszeichnet: ein bärenstarker Motor, eine aufregend gezeichnete Form, mit feinem Leder ausgelegt und hochwertigen Instrumenten garniert, ein Mix von edelteuren Werkstoffen wie Karbon, Aluminium oder Magnesium sowie ein hochdynamisches und sehr präzises Fahrverhalten. Seine nach oben sich auffaltenden Flügeltüren garantieren einen Aufmerksamkeitswert, der nicht mehr zu übertreffen ist. Oder doch?
Ganz ein Gentleman – mehr gerührt als geschüttelt: der SLS Roadster
Mit deutlich weniger Show, dafür aber ganz gentlemanlike, tritt sein Bruder, der Roadster, auf. Er ist spektakulär, aber nicht aufdringlich, puristisch in seiner Form. Mit der Stoffkapuze als Dach, lebt er die Tradition der offenen Sportwagen. Sie bläst seinem Piloten den Fahrtwind um die Nase und beflügelt Ausfahrten zum Erlebnis. Jede Minute möchte man mit geöffnetem Dach genießen. Binnen 11 Sekunden ist es auch während der Fahrt bis Tempo 50 zu bedienen. Aprilfrische Mittags- oder herbstliche Abendsonne müssen nicht ausgesperrt bleiben, umfächelnde Warmluft temperiert Hals wie Kopf, dank luxuriöser Klimatisierung von Sitzen und Innenraum bleibt das Dach im Verdeckkasten versenkt. Die Botschaft des SLS Roadster ist klar: Zurück zu den Ursprüngen, angekommen bei den automobilen Pionieren in ihren bollernden Boliden, verbunden mit High-tech von heute und dem Luxus vom feinsten.
Das Soundorchester des brüllenden Achtzylinders schlägt voll zu
Das Jahr zwanzigelf ist nicht neunzehnelf. Auch wenn wie zu Zeiten der tollkühnen Rennfahrer früherer Jahre der Donnerhall aus den Auspuff-Fanfaren des SLS sich grollend ankündigt, sein Fortissime unter Vollgas erreicht, um dann beim Gaswegnehmen brubbelnd und mit lautem Auspuffpatschen satte, tieffrequente Rülpser aus dem stählernen Schall-Labyrinth ins Freie zu stoßen. Es ist der Brunftgesang des SLS, orchestrale Inszenierung, den nur der Roadster in Highend-Quality seinem Piloten in die Ohren posaunt. Unverfälscht, ungefiltert ist es die Symphonie der acht Zylinder, deren Kolben kühle Luft ansaugen und heißes Abgas ausstoßen. Zwischen diesen Takten, explodiert das Oktett der rasenden Kolben. Die Ohren des Cabriofahrers sind hie ganz dicht am Geschehen.
Der letzte große Auftritt des 6,3 Liter Motors
Wie Zeus seine Donner vom Olymp schickt, so kündigt der furiose Tanz der Schallwellen und anschwellenden Druckpegel gleichzeitig auch eine Zeitenwende an. Lärmende Explosionen, heiße Abgase und stampfende Maschinen treiben auf ein großes Finale zu und inszenieren ihren Abgang. Eine neue Mobilität bricht sich Bahn, mit der aufziehenden Elektromobilität zieht sie ein. Bei diesem Abgesang hat der bullige Motor im AMG-SLS alles Zeug, zur Ikone der Verbrennungskraftmaschinen zu avancieren.
Die großen Sauger werden durch Turbomotoren ersetzt
Denn seine Lebenszeit ist heute schon fixiert, wenn das Programm im Jahr 2014 ausläuft und der AMG-Sportwagen nicht mehr gebaut wird. Das bedeutet auch das Ende des kernigen V8-Triebwerks, das aus 6208 Kubikzentimeter Hubraum bei 6800 Umdrehungen pro Minute 571 PS (420 kW) Leistung zaubert. In Zeiten von Downsizing, Turbolader und Kompressoren sind solch großvolumige Saugmotoren zum Tode verurteilt - auch weil ihr enormer Spritbedarf von über 20 Liter (Normverbrauch 13,2 l /100 km) nicht mehr in die Zeit von CO2-Reglementierung und Erderwärmung passt.
Der SLS E-Cell wird 2013 lautlos auf den Straßen rollen
Der von AMG entwickelte und gebaute Supersportwagen SLS hat Mercedes jetzt schon viel Freude bereitet. „Das Flügeltürer-Coupé verkauft sich glänzend“, lässt sich Vertriebsvorstand Joachim Schmidt entlocken, dem nicht nur die Stückzahl von 4000 die Bilanzen versüßen, weil der Deckungsbeitrag, den die in Afalterbach gebauten Wagen einfahren, Spitze sind. Jetzt wird der neue Roadster den SLS weiter antreiben. Intern wird sogar damit gerechnet, dass der Roadster auf höhere Stückzahlen kommt, als der spektakuläre Flügeltürer.
Die SLS-Familie bietet den GT3 und auch den Elektroracer
Die SLS-Sportwagen sind mit dem Rennfahrzeug GT3 und der batterie-elektrischen Variante SLS E-Cell bereits zu einer kleinen Familie angewachsen. Ein zusätzliches abgespecktes und leistungsgesteigertes Modell mit Straßenzulassung wird erwartet und den Flügeltürer, das SLS-Coupé, bei den Fahrleistungen übertreffen. Der Elektroracer soll 2013 auf höchstem Niveau die Kompetenz der Firma bei Elektroautos dokumentieren.
Das Spitzentempo musst bei 317 km/h abgeregelt werden
Spezielle für den Roadster mussten die Fahrwerksingenieure unter Leitung von Tobias Moers die Karosse verstärken, um das fehlende Dachauszugleichen. Neue Seitenschweller mit mehr Kammern, zusätzliche Verstrebungen für das Armaturenbrett und eine hintere Domstrebe zwischen Verdeck und Tank waren die wenigen Änderungen. Nur um zwei Kilogramm ist das Gewicht der Rohkarosserie des insgesamt um 40 Kilo schweren Roadsters gestiegen. Der offene Wagen besitzt ein hohes Maß an Torsionssteifigkeit und kann sich bei 18.000 Newtonmeter pro Grad so gut wie gar nicht verwinden, selbst, laut Moers, beim Spitzentempo 317 km/h nicht.
Der Mercedes SLS-AMG Roadster wird Geschichte schreiben
Klappern oder Knarzen ist dem Wagen selbst auf holpriger Strecke oder im schnellen Kurvengeschlängel fremd. Satt und ruhig liegt der Wagen auf der Straße und geht mit ihr eine ideale Verbindung ein – ganz gleich, ob im forcierten Galopp gehetzt oder beim sanften Cruisen bewegt. Für den notwendigen Komfort ist mit dem elektronisch geregelten Fahrwerk gesorgt. Wahlweise zwischen Komfort und Supersport lässt es sich per Drehknopf einstellen. mit dem rund 200.000 Euro teuren SLS-AMG Roadster hat Mercedes seine Geschichte legendärer Sportwagen um ein weiteres Kapitel fortgeschrieben.
21. 09. 2011
- Renaissance Wankel II
- World Energy Summit Abu Dhabi
- Mercedes CLS-AMG (Teil II):
























