Die Temperatur auf der Erde schwankte in den letzten 2000 Jahren stärker als bisher vermutet. Das geht aus einer neuen Studie über die Aussagefähigkeit von Jahresringen von Bäumen und von Korallen für die Klimaentwicklung hervor. Falls die Ergebnisse zutreffen, ist die jüngste Erwärmung weniger außergewöhnlich als bisher angenommen. Natürliche Temperaturschwankungen könnten demnach neben oder anstelle des dem Treibhauseffekts zur Erwärmung beitragen.
Zur Rekonstruktion der jüngeren Klimageschichte benutzen Forscher vorzugsweise die Breite und Dichte von Jahresringen von Bäumen, sowie das Wachstum von Korallen. Doch die Methode scheint mit einem systematischen Fehler behaftet zu sein, fand Hans von Storch, ein Klimaforscher am GKSS Institut für Küstenforschung in Geesthacht bei Hamburg. Als Folge davon könnten Forscher das wahre Ausmaß der Temperaturschwankungen zwischen der Römerzeit und dem 19. Jahrhundert um einen Faktor von zwei oder mehr unterschätzt haben.
Erstaunlicherweise waren die Temperaturschwankungen in einer Computer-Rekonstruktion weitaus geringer als im ursprünglichen Klimamodell. Die Forscher vermuten deshalb, dass jeglicher Versuch, das Erdklima aus Jahresringen, Korallen, Eisbohrkernen und historischen Wetteraufzeichnungen, zu rekonstruieren, zu einer ähnlichen Unterschätzung der Temperaturschwankungen führt. Die Ergebnisse solcher Klimarekonstruktionen werden deshalb in Frage gestellt.
Hier werden zum ersten Mal die möglichen Grenzen einer weit verbreiteten Methode kritisch betrachtet. Michael Mann, ein Klimaforscher an der University of Virginia in Charlottesville, der die meist zitierte Rekonstruktion der historischen Klimaschwankungen veröffentlicht hat, glaubt nicht, dass die Studie die Aussagekraft seiner Analysen herabmindert. Die von den Autoren dargelegten Probleme seien ihm bekannt und er habe versucht, sie in seinen eigenen Berechnungen zu berücksichtigen. Dazu Storch über Mann: "Sein Einfluss in der Gemeinschaft der Klimaforscher ist groß ... Er geht sehr heftig gegen jeden Vorwurf vor ..."
Siehe dazu unseren Beitrag: "In 30 Jahren beginnt die neue Eiszeit", PM 6/1998, Seite 8.
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