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Untreue genetisch bedingt?

Laut Statistik aus dem Buch von Debbie Then "Bleiben oder Geh
en?" wird in 80 Prozent der Ehen fremdgegangen. 49 Prozent % der deutschen Männer und 37 Prozent der Frauen waren schon einmal während ihrer Ehe oder in einer festen Partnerschaft untreu. Bis zu 25 Prozent aller Scheidungen gehen auf weibliche Untreue zurück. Nach zwei Jahren Ehe gehen immerhin 70 Prozent aller Männer fremd. Erstaunlich ist allerdings, dass 85 Prozent aller untreuen Ehemänner letztlich bei ihrer Ehefrau bleiben. Für viele liegt es in der Natur der Sache: Männer können gar nicht treu sein. Und auch die Biologie scheint ihnen Recht zu geben: Vom kleinsten Getier bis zum Menschen sind die Männchen in allen Spezies offensichtlich bestrebt, ihre Gene an möglichst viele Nachkommen weiterzugeben. Und das funktioniert natürlich am besten mit möglichst vielen verschiedenen Weibchen. Aber auch für das weibliche Geschlecht scheint absolute Monogamie biologisch nicht immer von Vorteil zu sein, denn durch das Ausprobieren mehrerer verschiedener Männchen kann genau jenes heraus gepickt werden, bei dem die Gen-Zusammensetzung möglicherweise optimal gemischt ist.

Stellt die Untreue damit ein grundlegendes Konzept der Evolution dar? Genetische Faktoren scheinen daher einen nicht unwesentlichen Einfluss auf das Treueverhalten zu haben. Dies behauptet zumindest der US-Wissenschaftler Thomas Insel, der schon seit einigen Jahren im Tierversuch das Geheimnis der Untreue zu ergründen versucht. Als Modell dienten ihm dabei Wühlmäuse. In ausgedehnten Experimenten konnte der Forscher zeigen, dass bei männlichen Wühlmäusen die Treue eng mit dem Peptidhormon Adiuretin verknüpft ist. Dieses einfache, nur aus neun Aminosäuren bestehende Protein dient vor allem dazu, die Ausscheidungsmenge von Harn durch die Nieren zu regulieren. Es wird aber auch bei der Paarung in besonders hohen Mengen ausgeschüttet und bindet dann an Rezeptoren in bestimmten Hirnregionen. Der US-Wissenschaftler konnte zeigen, dass sich die Verteilung von Adiuretin-Rezeptoren bei "treuen" und "untreuen" Wühlmäusen deutlich unterscheiden. Weiter war der Rezeptorgehalt bei den untreuen Tieren sehr viel geringer. Bei den weiblichen Mäusen scheint das chemisch nahe verwandte Hormon Oxytocin eine ähnliche Rolle zu spielen. Oxytocin regt die Kontraktionen der Uterusmuskulatur bei der Geburt an und ist während der Stillzeit für die Milchabgabe von entscheidender Bedeutung. Auch hier waren die entsprechenden Rezeptoren im Gehirn von "treuen" und "untreuen" Mäusen unterschiedlich verteilt.

In einer Studie, die britische Forscher kürzlich der Öffentlichkeit vorstellten, wird die These vertreten, dass Untreue genetisch bedingt sein kann. Die Arbeitsgruppe von Dr. Spector vom St. Thomas Hospital in London hatte zeigen können, dass bei Frauen, die ihrem Partner untreu waren, auch 55 Prozent der Zwillingsschwestern untreu waren. Am ausgeprägtesten war dieser Trend bei eineiigen Zwillingen zu erkennen: Ging die eine Schwester fremd, dann war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch die andere untreu wurde. Allerdings räumen die Forscher auch ein, dass gemeinsame soziale Faktoren, wie das Aufwachsen in einem identischen Milieu einen signifikanten Einfluss auf das Treuverhalten haben dürften. Außerdem kann nach Auffassung der Wissenschaftler das komplexe Verhalten, das zum Fremdgehen führt, nicht einem einzigen Gen zugeordnet werden. "Es sind vielmehr verschiedene Gene, deren Zusammenwirken zum einem Verhalten führt, dass Untreue fördert", meint dazu Dr. Spector.

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Hyperlinks zu diesem Thema:

Originalartikel bei freenet
Treue bei Wühlmäusen
Oxytocin als Orgasmus-Hormon




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