Professor Jan Veizer von der Ruhruniversität Bochum bezweifelt, dass der durch den Menschen verursachte Anstieg der CO2-Konzentrationen zu einer globalen Klimaerwärmung um zwei bis vier Grad in den nächsten 100 Jahren führen wird. Um die Klimageschichte der Erde zu erforschen, untersuchen Veizer und seine Mitarbeiter in Kanada Gesteine, die sich vor Millionen von Jahren aus Meeres-Sedimenten und Muschelschalen gebildet haben. Aus der Zusammensetzung der darin enthaltenen Sauerstoff- und Kohlenstoffatome lässt sich berechnen, welche Temperaturen und CO2-Konzentrationen in der damaligen Erdatmosphäre geherrscht haben.
Meistens war nach diesen Untersuchungen der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre deutlich höher als heute - aber dies steht in keiner Beziehung zum Klima in der Vorzeit. "Vielmehr gibt es deutliche Hinweise dafür, dass warme Phasen in der Vergangenheit durch einen erhöhten Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre verursacht wurden, kalte Phasen dagegen durch geringe Wasserdampfgehalte", erläuterte Veizer. Verantwortlich für die Wasserdampfschwankungen seien geologische Prozesse.
Veizer vertritt die Ansicht, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre erst als Folge der Erwärmung steigt. So setze erwärmtes Ozeanwasser CO2 frei wie eine Sprudelflasche im Sonnenschein. Auch die Humusvorräte in Böden würden bei höheren Temperaturen verstärkt zu CO2 abgebaut. In Kaltzeiten nähmen die Weltmeere dagegen mehr CO2 auf, Humus reichere sich in den Böden an.
Durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sowie Abholzung oder Brandrodung sei der CO2-Gehalt in der Atmosphäre in den letzten 150 Jahren um 30 Prozent gestiegen, erklärte Veizer. Dieser Trend halte weiter an. Er bezweifle aber, dass dies zu einer deutlichen Temperaturerhöhung führe, solange der Mensch nicht auch noch den globalen Wasserkreislauf massiv beeinflusse. "Im Verhältnis zu dem, was geologische Prozesse hier bewirken können, ist der Mensch davon glücklicherweise noch weit entfernt", meinte der Wissenschaftler.
Siehe dazu unseren Beitrag: "In 30 Jahren beginnt die neue Eiszeit" in PM 6/98, S. 8-15.
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