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Kornkreise - das Rätsel ist gelöst

Im Februar 1992 hatte der englische Pflanzenphysiologe Rupert Sheldrake - bei uns besser bekannt als Schöpfer der Hypothese von den mor-phogenetischen Feldern - eine Idee: Er wollte durch ein Experiment klären lassen, ob und unter welchen Bedin-gungen Kornkreise von Menschenhand gefertigt werden können. Die Spekulationen über unbekannte Kräfte oder außerirdische Mächte sollten aufhören; an ihre Stelle sollten harte Fakten treten.
Um Teilnehmer für das Experiment zu finden und um die Aufmerksamkeit der Medien zu erregen, organisierte Sheldrake das Experiment als Wettbewerb. Der hohe erste Preis von 3000 englischen Pfund sollte Anreiz für die besten Kornkreisfälscher sein, ihr Wissen einer staunenden Öffentlichkeit zu präsentieren. Im PM-Magazin fand Sheldrake schließlich den Sponsor, der den Wettbewerb überhaupt erst möglich machte.
In der Nacht vom 11. zum 12. Juli startete das ungewöhnliche Experiment auf einem Weizenfeld in West Wycombe in der englischen Grafschaft Buckinghamshire bei London. Das Feld hatte der als exzentrisch bekannte Lord Dashwood zur Verfügung gestellt. Vorfahren dieses Lords sollen sich mit Schwarzen Messen beschäftigt haben; ihre "Schwarzen Höhlen" sind heute noch zu besichtigen. Wenn man bedenkt, dass der erste englische Kornkreis laut einer 600 Jahre alten Überlieferung vom Teufel angelegt worden sein soll, dann passt das ja ...
Die Arbeit der 12 Teilnehmergruppen ergab einige Überraschungen.
1. Überraschung: Obwohl in dem Feld (ca. 66 mal 240 Meter) etwa 50 Menschen in unterschiedlichster Kleidung herumliefen, obwohl die Nacht relativ hell war und das Getreide nur kniehoch stand, waren die Wettbewerbsteilnehmer in kürzester Zeit verschwunden! Nur wer Richtung Abendhimmel sah, konnte menschliche Silhouetten erkennen. Aber das galt nur für diejenigen, die die obersten Parzellen des schräg liegenden Feldes zugewiesen bekommen hatten. Die anderen, die mitten im Feld ihrer Arbeit nachgingen, konnten auch aus kürzester Entfernung weder gesehen noch gehört werden. Es blieb auch die ganze Nacht absolut ruhig. Bis auf das Rauschen der Getreidehalme (das auch der Wind verursacht haben könnte) war nichts zu hören, und zu sehen war auch nichts.
2. Überraschung: Bis auf zwei Teams, die die ganze Angelegenheit nach eigenen Aussagen nicht ernst nahmen, wurden alle in der vorgegebenen Zeit (22.00 Uhr bis 3.30 Uhr) fertig - und hielten auch alle anderen aufgestellten Regeln ein.
3. Überraschung: Die wenigsten Teilnehmer hatten vorher Kornkreise geübt. Die meisten hingegen waren in den Wettbewerb gegangen, ohne zu Hause Versuche vorgenommen zu haben.
4. Überraschung: Die Ausrüstung der Teams war zum Großteil ausgesprochen primitiv. Eine Eisenstange zum Markieren des Kreismittelpunkts, ein paar Schnüre zum Abmessen des Kreises, ein Brett, eine Plastikfolie oder eine kleine Rolle zum Niedertreten des Getreides - das war's. Mehr war nicht nötig. Keiner der Teilnehmer hatte Laser oder Infrarotscheinwerfer dabei.
5. Überraschung: Der zweite Preis ging an einen Einzelteilnehmer. Der junge Amerikaner Jim Schnabel hätte ohne weiteres den ersten Preis gewinnen können, wäre er nicht aus Übermüdung während der Arbeit eingeschlafen. (Jim Schnabel schrieb später ein Buch, in dem er erklärte, dass die meisten Kornkreise auf sein Konto gingen.)
Alles in allem hat dieses Experiment gezeigt: Kornkreise unter den gegebenen Bedingungen (kein Licht, keine Geräusche) anzulegen ist wesentlich einfacher, als man bisher annahm. Damit ist bewiesen, dass kleine, aber kompli-zierte Muster ohne Schwierig-keiten hergestellt werden kön-nen. Was aussteht, ist der Nachweis, dass auch so eigenartige Figuren wie das Apfelmännchen in einer Nacht und ungesehen in ein Kornfeld geprägt werden können. Bewiesen sind bisher nur Möglichkeiten, keine Fakten.

Die Bilder stammen aus dem Buch:
Eltjo Haselhoff: Faszinierende Kornkreise. Wissenschaftliche Forschung und Urbane Legendenbildung. beustverlag, München. ISBN 3-89530-076-4, EUR 19,90

Mehr über das Experiment in unserem Artikel "Kornkreise - wer macht sie? Jetzt hat P.M. die Antwort!" in PM 10/92, S. 120-124.

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Kommentare:
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