Dieser Befund, an dem Wissenschaftler der Universitäten Leiden und Bremen, des Centre de Biophysique Moleculaire, Orleans, sowie des Max-Planck-Instituts für Aeronomie in Katlenburg-Lindau beteiligt waren, stärkt die Auffassung, dass wichtige Grundbausteine des Lebens bereits im All entstehen und in zahlreichen Regionen des Kosmos zu finden sind. Kometen könnten diese Lebensbausteine in ihrem eisigen Kern konserviert und bei einer Kollision mit Planeten freigesetzt haben. Ein wichtiges Ziel der 2003 zum Kometen Wirtanen startenden ESA-Raumsonde "Rosetta" ist es deshalb, direkt auf diesem Kometen nach Lebensbausteinen zu suchen. Dabei soll COSAC, das Cometary Sampling and Composition Experiment, komplexe organische Moleküle auf dem Kometen Wirtanen aufspüren und identifizieren.
Um die Leistungsfähigkeit der miniaturisierten COSAC-Instrumente zu testen, simulierten die Forscher um Guillermo Muñoz Caro, Universität Leiden, und Dr. Uwe Meierhenrich, Universität Bremen, chemische Vorgänge im Weltraum, insbesondere in dichten interstellaren Wolken, in einem einfachen Test. Dazu nutzten sie eine Vakuum-Apparatur, die einen so genannten "cold finger", d.h. einen mit flüssigem Helium auf 12 Kelvin gekühlten kleinen Aluminium-Block enthielt. Lässt man in eine solche Anordnung verschiedene Gase ein, frieren diese als dünne Eisschicht auf dem "cold finger" aus. Um die chemischen Reaktionen in einer dichten interstellaren Wolke nachzubilden, aus der sich ein neuer Stern mit den "dazugehörigen" Planeten und Kometen bilden kann, ließen die Forscher in die Apparatur nur jene einfachen chemischen Verbindungen ein, von denen man aus astronomischen Beobachtungen weiß, das sie in solchen Wolken häufig und in einem bestimmten Mengenverhältnis vorkommen: Wasser, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Ammoniak und Methanol im Verhältnis 2 : 1 : 1 : 1 : 1. Die auf dem Kühlblock entstandenen, sehr dünnen Eisschichten wurden während ihrer Ablagerung mehrere Stunden mit UV-Licht bestrahlt. Damit führte man, wie im Weltall, Energie in Form von Lichtquanten zu, die die Moleküle anregen und ihre Bindungen teilweise aufbrechen können, so dass sich - dem Zufall und den Bindungskräften folgend - neue chemische Verbindungen bilden können.
Tatsächlich fanden die Wissenschaftler in den Proben des "cold finger" allein 16 verschiedene Aminosäuren, von denen sechs zu den von der Biologie benutzten Aminosäuren gehören. "Da Aminosäuren die wesentlichen Bausteine aller Eiweiße sind, ohne die das Leben auf der Erde nicht möglich wäre, fällt es schon schwer, hier nicht an Zusammenhänge zwischen Weltraumchemie und Leben zu denken", kommentiert Dr. Rosenbauer, Direktor am Max-Planck-Institut für Aeronomie, das überraschende Ergebnis.
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