Es ist ein alter Menschheitstraum: das Licht der Sonne einzufangen und andernorts zu nutzen. Bald könnte jeder einen Lichtsammler auf dem Dach stehen haben. Sein Einsatz ist vor allem in großen Gebäuden und Supermärkten von Vorteil.
Sonnenenergie wird seit Jahren zur Strom- und Warmwasser-Produktion eingesetzt. Doch immer noch ist der Wirkungsgrad der Stromerzeugung mäßig. Nur ein Prozent der Energie steht am Ende beispielsweise zur Lichtproduktion zu Verfügung. Da klingt es paradox, dass derzeit in den USA 25 Prozent der Energie für Kunstlicht am Tag aufgewendet wird. Je größer das Gebäude, desto schwieriger ist eine ausgeglichene Lichtregie. Am Fenster zu hell, ist es weiter hinten schon zu dunkel. Oft schließen darum die Jalousien, und alle stellen auf Kunstlicht um. Supermärkte haben zusätzlich noch mit der Wärmestrahlung der Sonne zu kämpfen. Deshalb wird meist ganz auf Fenster verzichtet und Kunstlicht eingesetzt.
Doch ist auch bekannt, dass Sonnenlicht die Kauflust der Kunden positiv beeinflusst. Darum suchen Forscher aus aller Welt nach Methoden, das Licht ohne Umwege zu nutzen. Studenten und Forscher der Hochschule Nürnberg haben dabei einen viel versprechenden Weg beschritten. Ihre Erfindung nennen sie Sollektor, Sonnen(licht)-Sammler.
Der Sollektor wird auf dem Dach oder der Fassade des Gebäudes angebracht. Er besteht aus einer großen Zahl identischer Einheiten. Jede dieser Einheiten ist recht einfach aufgebaut. Die Sonnenstrahlen treffen auf eine Sammellinse, die das Licht um den Faktor 300 verstärkt. Am Brennpunkt, wo das Licht am stärksten konzentriert ist, beginnt ein Kabel aus Plexiglas.
Die Lichtstrahlen treten hier ein und können wie bei einem Glasfaserkabel erst am anderen Ende wieder austreten. Dort steht es zur Nutzung zur Verfügung. Ein eine Quadratmeter große Sollektorfläche hat die Lichtkraft von 50 Glühbirnen á 100 Watt. Voraussetzung ist, dass die Sonne scheint und es nicht dunstig ist. Der Sonnenlichtsammler folgt millimetergenau der Bewegung der Sonne für eine maximale Energieausbeute.
Das System eignet sich besonders für sonnige Länder. Mit dem Indian Institute of Technology (IIT) in Madras haben die Franken geeignete Partner gefunden. Das renommierte Institut unterzieht die Einheiten dem Praxistest. Der verläuft, wie es aussieht, mit großem Erfolg. Seit knapp einem Jahr liefert die Testanlage störungsfrei Licht.
Die Idee der Lichtleitung reicht lange Zeit zurück. Bereits die Schildbürger versuchten laut Sage das Licht in Eimern zu transportieren. Viele Tüftler waren mit ihren Konstruktionen bisher an mangelnder Alltagstauglichkeit gescheitert. Verspiegelte Kamine sollten das Licht in die Räume leiten. Doch das musste bereits beim Hausbau berücksichtigt werden, und die Spiegel nahmen riesige Ausmaße an. Auch mit dem Einsatz von Glasfasern scheiterten Ingenieure. Das Material ermüdete und zersplitterte, sodass viel Licht im Leiter verloren ging. "Wir versuchen den Humbug, den die anderen machen, zu vermeiden", bemerkt Hans Poisel, Professor für polymere optische Fasern an der Fachhochschule Nürnberg. Er ist Leiter des Sollektor-Projekts. Plexiglasfasern ermüden hingegen nicht und leiten das Licht wesentlich besser, sagte er auf einer Informationsveranstaltung der Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik TELI in München.
Der Einsatz der Lichtleitertechnik steht kurz bevor. Schon 2010 sollen die Geräte für 5000 Euro zu erwerben sein. Angestrebt ist ein Basispreis von 1000 Euro. Damit ist eine flächendeckende Verbreitung denkbar. Auch Kranke könnten davon profitieren, wie Psychologen glauben. Im Krankenhaus würde das Sonnenlicht die Genesung der Patienten unterstützen. Mehr Sonnenlicht, gerade in der dunklen Jahreszeit, lindert Depressionskrankheiten.