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Putzen ist gut für die Seele

Der Geruchssinn des Menschen wurde lange Zeit von Wissenschaftlern völlig unterschätzt. Während man die enormen Riechleistungen verschiedenster Tiere untersuchte, galt der Mensch als Augen-Tier mit einer verkümmerten Nase. In letzter Zeit aber häufen sich Studien, in denen der Einfluss unterschiedlicher Gerüche auf unser Verhalten eindeutig nachgewiesen wurde.

Über unseren Schweiß kommunizieren wir mit unseren Mitmenschen. Ob Angst oder Sexbereitschaft, unbewusst teilen wir der Umgebung eine Menge über uns, unsere Gefühle und Wünsche mit. Dabei werden die meisten Botenstoffe von uns
nicht bewusst, sondern rein unterbewusst wahrgenommen.

Der Geruchssinn hat "direkte Verbindungen zu Zentren des Gehirns, die für Emotionen oder unser Verhalten wichtig sind" erläutert der Neuroradiologe Martin Wiesmann von der Münchner Ludwig Maximilians Universität (LMU). Indem das Bewusstsein umgangen wird, entfaltet dieser Sinn seine enorme Wirkung.

US-Wissenschaftler wollten jetzt wissen, ob auch der Geruch von Sauberkeit Menschen beeinflussen kann. Das Team um die Psychologin Katie Liljenquist von der Brigham Young University (BYU) führte zwei Experimente durch, in denen sie die Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft von Testpersonen untersuchten.

Im ersten Test erhielten die Probanden 12 Dollar, die sie zwischen sich und einem ihnen unbekannten, nicht anwesenden Menschen aufteilen sollten. Sie konnten dieser Person so viel oder so wenig geben wie sie wollten. Während sie über die Aufteilung nachdachten, saß die Hälfte der Personen in einem Raum, in dem zuvor ein Fensterputzmittel versprüht worden war (Foto: BYU, Jaren Wilkey). Die andere Hälfte befand sich in einem neutral riechenden Raum.

Die Ergebnisse der Psychologin sind eindeutig: Menschen in dem betont sauberen und nach Putzmittel riechenden Raum teilten wesentlich gerechter als die im neutralen Raum. Im "sauberen" Raum wurden im Schnitt 5,3 Dollar, fast die Hälfte, an die fiktive Person weitergegeben – in dem anderen waren es nur 2,8 Dollar. Dieses erstaunliche Ergebnis sicherten die BYU-Psychologen mit weiteren Experimenten ab. Dabei wurden auch nach Zitrone riechende Putzmittel eingesetzt. Die Resultate waren ähnlich. Obwohl die Testpersonen in einem Fragebogen angaben, den Geruch nicht wahrgenommen zu haben, wurde ihre Entscheidung wesentlich davon beeinflusst.

Was könnte die Ursache für ein solches Verhalten sein? Möglicherweise wurde reinliches Verhalten in der Evolution belohnt. Menschen, bei denen dieses Verhalten besonders stark ausgeprägt war, verringerten das Infektionsrisiko für sich und ihre Mitmenschen, mutmaßen Forscher. Bereits in früheren Studien stellte Liljenquist einen Zusammenhang zwischen Putzverhalten und moralischem Denken fest. Die Studie hat praktische Anwendungen: Das Versprühen von Sauberkeitsdüften in Firmen in Schulen könnte zu einem aufgeschlosseneren und ehrlicheren Arbeitsklima führen.
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Hyperlinks zu diesem Thema:

BYU-Studie




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