Alexander Lauterwasser füllt eine Schale bis zum Rand mit Wasser. Auf die gespannte Oberfläche ist eine Kamera gerichtet, deren Aufnahmen auf eine Großleinwand mitten in einem Konzertsaal projiziert werden. Sobald die ersten Takte von Sofia Gubaidulinas jüngster Komposition erklingen, sind auf der Leinwand farbenfrohe Muster von bizarrer Schönheit zu erkennen.
Lauterwasser ist Klangforscher, und was sein Publikum zu sehen bekommt, ist das Ergebnis eines von ihm entwickelten elektromagnetischen Schallwandlers, der musikalische Frequenzen auf Wasser überträgt. Die Wasseroberfläche "antwortet“ dann entsprechend mit Wellenbewegungen, die wiederum fantasievolle Formen entstehen lassen. Durch eine spezielle Beleuchtung können diese Muster auf der Leinwand für die Konzertbesucher sichtbar gemacht werden.
Was wie Magie anmutet und doch strenge Wissenschaft ist, wird zu einer neuen Form von Kunst: Bilder, statt von Menschenhand von Wasserwellen gemalt, mit Musik statt mit Farbe. Lauterwasser legt Wert auf die schöpferische Dimension seiner Tätigkeit: "Ich mache nicht Musik sichtbar, sondern die Antwort des Wassers auf Musik in Gestalt der Oberflächenwellen.“
Dass diese "Antwort“ auf Kompositionen von Bach mitunter die Form religiöser Symbolik wie etwa ein Kreuz annimmt, während Debussy sich als Sonnenstrahl oder Schneekristall darstellt, zählt zu den wunderbaren Kuriositäten von Lauterwassers Methode.
|