Seit mehr als 150 Jahren beschreiben Forscher weltweit neue Tier- und Pflanzenarten. Besonders selten ist der Fund neuer Wirbeltiere. Jetzt aber hat ein deutscher Biologe eine zuvor unbekannte anderthalb Meter lange Echse entdeckt: den Lirung-Waran. Die gelben Punkte auf dem schwarzen Körper machen ihn unverwechselbar (Foto: Koch).
Eigentlich war der Biologe André Koch auf der Suche nach ganz anderen Echsen. In seiner Doktorarbeit untersuchte er, wie sich die so genannten Bindenwarane zwischen den beiden Inselstaaten Philippinen und Indonesien im Laufe der Evolution ausgebreitet haben. Die Länder sind heute durch 300 Kilometer Wasser getrennt. Trotzdem kann man diese Tierart in beiden Ländern finden. Auf halber Strecke etwa liegen die Talaud-Inseln. Sie hätten sich als Zwischenstop auf der Reise von einem Land zum anderen geradezu angeboten, vermuteten Wissenschaftler daher.
Das sollte der Biologe des Zoologischen Forschungsmuseums Koenig in Bonn beweisen und besuchte gemeinsam mit seiner indonesischen Kollegin Evy Arida die Insel Salibabu des Talaud-Archipels. Den Einheimischen waren die Echsen sehr gut bekannt. Nicht selten landet ein Exemplar davon im Kochtopf und wird als "eine Art Gulasch" serviert, so Koch. Hoch oben in den Palmen saßen die Tiere und sonnten sich, als das Forscherteam sie das erste Mal sah. Der Biologe erkannte bereits aus der Ferne, dass es sich dabei um keine der bisher bekannten Waranarten handelte.
Nachdem einige Tiere gefangen waren, wurden sie vermessen, die Schuppen gezählt und Schwanzproben für genetische Untersuchungen genommen. Durch den Vergleich mit anderen Proben ließ sich der Verdacht beweisen. Es handelte sich um eine eigenständige Art, die "mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Region von Neuguinea eingewandert" ist, glaubt Koch. Während einer der letzten Eiszeiten lag der Meeresspiegel wesentlich niedriger als heute. Damals konnten sich die Tiere vermutlich leichter zwischen den Inseln hin und her bewegen.
Die Entdeckung einer neuen Art sei immer eine "zweischneidige Sache", bedauert Koch. Leider haben es Reptilienhändler immer wieder auf neu entdeckte Arten abgesehen. Schon jetzt ist der Lirung-Waran gefährdet, da es nur wenige Exemplare geben dürfte. Werden die Bestände durch kriminelle Händler und Sammler geplündert, könnte die Spezies schnell aussterben – noch bevor die Forscher den Tieren ihre Besonderheiten und Geheimnisse entlockt haben.