Das Handy ist der treue Begleiter in der Hosentasche. Damit liegt es nur Zentimeter entfernt von den sensibelsten männlichen Körperteilen, den Hoden. Der Ort der Spermienproduktion und Lagerung ist äußeren Einflüssen besonders stark ausgesetzt. Die Samenzellen sind anfällig. Kleine Temperaturänderungen oder Strahlung können die wertvolle Fracht beschädigen. In Deutschland und anderen Industriestaaten verringert sich bei Männern die Spermienanzahl immer weiter. Sie hat mittlerweile die Grenze zur Unfruchtbarkeit erreicht. Schuld daran ist meist eine zu geringe Anzahl an Spermien oder deren nachlassende Mobilität. Nur die Besten schaffen es bis zur Eizelle.
Der Biologe Geoffry Iuliis von der Universität von Newcastle in Australien untersuchte mit seinen Kollegen die Wirkung der Handystrahlung. Der SAR-Wert, die spezifische Absorptionsrate, gibt an, wie viel Strahlung der Körper bei maximaler Sendeleistung aufnimmt. Heutzutage liegen die Werte der Telefone zwischen 0,1 und 1,9 SAR. Während der Grenzwert in Deutschland bei 2 SAR liegt, sind in den USA nur Telefone mit maximal 1 SAR zugelassen.
Die Spermien tragen im Köpfchen das Erbgut des Vaters, die DNA. Wie in einer Leiter reihen sich die Sprossen, chemische Basenpaare, aneinander. Die Abfolge der Basen codiert dabei die Erbinformationen. Bricht die DNA-Leiter oder wird sie verändert, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Im schlimmsten Fall kann es zu einem erhöhten Krebsrisiko des Ungeborenen kommen. Auch freie Radikale, besonders reaktionsfreudige Moleküle in der Zelle, können zum Bruch der DNA führen.
Die Wissenschaftler bestrahlten die Zellen über Nacht in einer Petrischale mit verschiedenen Strahlungsintensitäten. Am nächsten Morgen maßen sie deren Beweglichkeit und Überlebensrate. Bereits ab einem Wert von 1,0 SAR – Durchschnittswert deutscher Mobiltelefone – überlebten deutlich weniger Spermien. Außerdem büßten sie einen Teil ihrer Beweglichkeit ein. Durch die Bestrahlung erhöhte sich auch die Konzentration von Radikal-Molekülen.