Bei vielen Paaren gehört Oralverkehr zum erotischen Vorspiel. Auch Bonobos, unsere nächsten Affen-Verwandten, zeigen Varianten davon. Bei ihnen gehört das allerdings zum Sozialverhalten, häufig zwischen männlichen Jungtieren. Jetzt konnten chinesische Wissenschaftler Oralverkehr bei den Flughunden nachweisen.
Diese sind eng mit den Fledermäusen verwandt und bilden gemeinsam mit ihnen die zweitgrößte Familie unter den Säugetieren. Die bis zu 40 Zentimeter großen Tiere kommen vor allem in Asien und Australien vor, wo sie in Scharen an Bäumen hängen (Foto: pixelio, S. Thomas). Oft leben die Vegetarier in Kolonien von mehreren tausend Tieren. Sie sind für den Menschen wichtig, da sie viele Nutzpflanzen bestäuben.
Dennoch liegt vieles über die Tiere im Dunkeln. Denn die nachtaktiven Tiere sind schwer zu beobachten. Was bisher über das Sexleben dieser Tierfamilie bekannt war, klingt brutal: Das Männchen nähert sich einem Weibchen, welches kopfüber in der Ruheposition hängt. Es umklammert seine Partnerin mit seinen Flügeln, beißt ihr in den Nacken und führt seinen Penis ein.
Für die Untersuchung ließ der Biologe Min Tan von der Guangxi Normal Universität je 30 Männchen und Weibchen des indischen Großnasen-Flughundes fangen und sie paarweise in Käfige stecken. Der Schlafplatz der Tiere wurde mit einer Nachtsichtkamera gefilmt. 24 Paare hatten bis zu mehrere Male Sex in der Gefangenschaft. In mehr als der Hälfte der Videoaufnahmen beobachteten die Wissenschaftler, dass die Weibchen immer wieder mit der Zunge den Penisschaft der Männchen leckten, während dieses das Weibchen von hinten penetrierte.
Min Tan und seine Kollegen maßen die Häufigkeit und Dauer der Kopulationen und verglichen sie mit der Aktivität der Weibchen. Dabei war ein klarer Zusammenhang zwischen der Dauer der Kopulation und der Dauer des Zungenkontaktes festzustellen. Je länger das Weibchen das Männchen oral stimulierte, desto länger dauerte die Kopulation: Jede Sekunde weiblicher Stimulation verlängerte den Sex um sechs Sekunden.
Über die Gründe können die Forscher bisher nur spekulieren. Die verlängerte Kopulation könnte für einen Weitertransport der Spermien wichtig sein, so dass die Chancen der Befruchtung stiegen. Vielleicht oder zusätzlich kommt diese Sexualpraktik auch der Hygiene zugute. Bakterielle Infektionen und die Übertragung von Krankheiten könnten sich auf diese Weise verringern.