Das Haus wird intelligent. Sobald Sie aus einem Raum gehen, erlischt das Licht automatisch. Der DVD-Spieler stoppt, wenn Sie aus dem Sessel aufstehen und fährt erst dann fort, wenn Sie es sich wieder bequem gemacht haben.
Das Szenario könnte bald Realität sein, wenn es nach Elektroingenieuren der Utah Universität, USA, geht. Der Doktorand Joey Wilson und Neal Patwari, Professor für technische Informatik, haben ein entsprechendes System entwickelt. Es kann Personen im Haus exakt orten, sobald sie sich bewegen. Das Besondere daran: Wände und Türen stellen dabei kein Hindernis dar.
Bisher wurden dafür Kameras, Ultraschall oder Radar eingesetzt. Doch für den Dauereinsatz weisen diese Techniken gravierende Nachteile auf. Kameras und Ultraschall scheitern schnell an Hindernissen wie dicken Wänden. Sie müssten daher in jedem Raum einzeln angebracht werden. Eine Dauerbestrahlung durch Radargeräte hingegen greift die Gesundheit an und erzeugt Krebs. Die Strahlung des neuen Systems hingegen ist 500 Mal schwächer als die von Mobiltelefonen – und durchdringt trotzdem alle Wände.
Das neu entwickelte Ortungsgerät funktioniert folgendermaßen. An den äußeren Wänden der Wohnung werden Radiosender angebracht. Die können auch in die Wand integriert sein. Sie senden und empfangen Radiowellen einer bestimmten Frequenz. Jedes Gerät empfängt die Wellen von allen anderen. So entsteht eine Art Gitter aus Radiowellen.
Steht nun eine Person im Raum, verändert sich das Wellenbild. Einige Wellen werden durch die Person absorbiert. Bildlich kann man sich das wie einen Schatten vorstellen. Einige der Radiosender liegen also im Wellenschatten. Die Daten aller Geräte werden an einen Computer geschickt. Der kann dann auf einen Meter genau berechnen, wo sich die Person befindet. Diese Art der Vermessung nennt sich Radio-Tomographie (Fotos: Sarang Joshi and Joey Wilson, University of Utah).
Gesendet wird mit der so genannten Zigbee-Technik. Derartige Sender haben eine maximale Reichweite von 100 Metern. Die Sendeleistung kann sehr niedrig gehalten werden, was sie ungefährlich macht und Energie spart. Außerdem sind die Elemente sehr reaktionsschnell, bis zu 100 Mal schneller als andere Sendertypen. Die meiste Zeit verbringen sie im Bereitschaftsmodus, sind aber sofort hellwach, wenn sie gebraucht werden.
Ältere Menschen könnten von diesem System enorm profitieren. Eine von ihm gesteuerte Lichtautomatik würde Stolperfallen in der Wohnung sofort erkennbar machen. Denkbar wäre auch die Übermittelung der Bewegungsdaten an Pfleger. Sie könnten bei ungewöhnlichem Verhalten sofort eingreifen. Ein mobiler Radio-Tomograph vereinfachte der Feuerwehr ihre Arbeit. Damit ließe sich ein brennendes Haus nach Eingeschlossenen abscannen. Und schließlich träumen Polizisten schon lange davon, bei gefährlichen Einsätzen durch die Wände der Häuser von Verdächtigen spähen zu können. In den USA ist das System zum Patent angemeldet.