Der Wunsch nach der Heilung gelähmter Personen ist so alt wie die Bibel. Der Weg dahin ist lang. Wissenschaftler auf der ganzen Welt forschen an Therapien. Doch nur langsam kommen sie dem Ziel näher. Nun ist den Forschern der Georgia Tech and Emory University aber ein weiterer, wichtiger Schritt in Richtung eines medizinischen Wunders gelungen.
Beschädigungen am Rückenmark haben oft schlimme Folgen. Unfälle oder Krankheiten sind die Ursachen für diese Verletzungen. Daraus resultieren Querschnitts- oder Teillähmungen der Patienten. Grund dafür sind die wichtigen Nervenbahnen, die im Rückenmark liegen und bei einem Unfall durchtrennt werden. Es kommt zu einer Narbenbildung im Nervengewebe. Diese verhindern, dass Nervenzellen nachwachsen können. Der Körper besitzt viele Selbstheilungsprozesse. Doch beschädigtes Rückenmark kann er nicht reparieren – noch nicht.
Schon im Jahr 2002 entdeckten schwedische Forscher, dass das Enzym "Chondroitinase ABC" helfen kann. Injiziert man es an der beschädigten Stelle, baut es die Narben ab. Das Problem jedoch war, dass dieses Enzym nur sehr kurz im Körper verweilte. Infolge der hohen Körpertemperatur des Menschen verlor es innerhalb einer Stunde die Hälfte seiner Wirkungskraft. Nach nur fünf Tagen war es aus dem Körper verschwunden. Das Mittel musste also regelmäßig und sehr häufig gespritzt werden.
US-Wissenschaftler der Tech and Emory University in Georgia schafften dieses Problem nun aus dem Weg. Sie verbesserten das Enzym mit Hilfe eines Zweifachzuckers namens Trehalose. Zweifachzucker kommen unter anderem in der Zuckerrübe als Saccharose oder in der Milch als Milchzucker (Laktose) vor. In Verbindung mit Trehalose wurde das Enzym temperaturstabiler. Bei Versuchen im Reagenzglas blieb es vier Wochen lang aktiv.
Der biologische Helfer wurde in einer wasserunlöslichen Flüssigkeit mit dem Namen Hydrogel verabreicht. Darin ist er in mikroskopisch kleinen Kapseln eingelagert. Das flüssige Gel transportiert das Enzym genau an die verletzte Stelle im Rückenmark. Dadurch kann es in sehr tiefe Schichten eindringen, was bisher nicht möglich war.
Nach sechs Wochen waren die Narben schon deutlich abgebaut worden. Neue Nervenbahnen konnten sich entwickeln. Diese neue Methode soll nun mit anderen Therapien kombiniert werden. So soll das Protein Neurothropin-3 beigemischt werden. Dieses beschleunigt den Aufbau von Nervenzellen (Foto). Das alles sind wichtige Schritte hin zur Heilung von Querschnittsgelähmten.