erweiterte Suche
Prämien-Übersicht
P.M. Magazin
P.M. HISTORY
P.M. Fragen & Antworten
P.M. Perspektive
P.M. Biografie
P.M. Logik-Trainer
P.M. Logicals
P.M. Intelligenz-Trainer
P.M. Kreativ-Trainer
P.M. Sudoku
Pilz schlägt Stradivari

Auf den Osnabrücker Baumpflegetagen fand ein Wettstreit der ungewöhnlichen Art statt. Eine Geige aus einem pilzbehandelten Holz trat gegen eine Stradivari an. Die Herausforderung scheint vermessen. Denn die Instrumente des italienischen Geigenbaumeisters gelten immer noch als die besten und klangstärksten Violinen der Welt.

Ein Blindtest sollte den Sieger küren. Der britische Starviolinist Matthew Trusler spielte fünf verschiedene Geigen: eine zwei Millionen Dollar teure Stradivari aus dem Jahr 1711 sowie zwei pilzbehandelte und zwei unbehandelte Modelle des Geigenbauers Michael Rohnheimer. Da Trusler hinter einem Vorhang stand, konnte das Publikum die Instrumente nicht sehen, wohl aber hören.

Eine Fachjury sowie die Gäste beurteilten den Klang. Das Ergebnis war überraschend: Der Hälfte der 180 Anwesenden gefiel die pilzbehandelte Geige "Opus 58" am besten. Die Stradivari kam mit 39 Stimmen nur auf den zweiten Platz. Ganze 113 Zuhörer hielten die "Opus 58" sogar für ihr berühmtes Vorbild.

Francis Schwarze, verantwortlicher Materialwissenschaftler des Schweizer Empa-Instituts, relativierte das Resultat. "Es gibt dafür kein eindeutiges naturwissenschaftliches Messverfahren", erläuterte er. Ein Blindtest ist immer subjektiv.

Ein klarer Fingerzeig ist das Ergebnis dennoch. Zumal der Erfolg der neuartigen Geige nachvollziehbar ist. Entscheidend für die Klangqualität ist nämlich das verwendete Material. Die Behandlung mit den Pilzen erhöht die Güte des Holzes. Sie verändert die Zellstruktur und verringert die Dichte. Kein Wunder, dass "Opus 58" nach einer neunmonatigen Pilzkur mit einem derart warmen und vollen Klang begeisterte.

Auch Stradivaris Geigen profitieren von einem ähnlichen Effekt – selbst wenn der Maestro das damals nicht wusste. Zu seiner Zeit herrschten in Europa äußerst lange Winter und kühle Sommer. Das Holz wuchs langsam und gleichmäßig: eine ideale Voraussetzung!

Die Biotech-Geige kommt einer Revolution in der Musikszene gleich. "Zukünftig werden sich auch Nachwuchstalente eine Geige mit der Klangqualität einer sündhaft teuren Stradivari leisten können", freut sich Horst Heger vom Konservatorium Osnabrück. 25 000 Franken – etwa 16 500 Euro – sind vergleichsweise günstig.

Den Blindtest gegen die Stradivari hat die Pilzgeige zu Recht gewagt. Nicht nur gewagt, sondern auch gewonnen!



Sie haben noch eine Frage zum Thema? Jetzt bei P.M. BesserWissen stellen.
Hyperlinks zu diesem Thema:

EMPA




Weitere Wissensnews:
Die Jet-Fortpflanzung
Fitness-Check für Fische
Roboter lernen von Dreibeinern
Zauberformel für 100 x mehr Reis
Pflastersteine zum Aufatmen
Fiebermessen bei Ausgestorbenen
Algen retten die Welt
Ein neues Hawaii – aus Plastik
Krankes Herz kuriert sich selbst
Staubkorngroße Computer
Auf Knopfdruck Regen
Luft-Kleidchen als Klima-Engel
Der Krieg – Vater der Team-Arbeit
Sechs Monate lang atemlos
Zauberflöte für Mikroben
Dr. neutron Faustus
Kuhmist macht schlau
Roboterchens Mondfahrt
Bei ROT: Vorsicht, Erdrutsch!
Glotze für Kühe
Kommentare:
Kommentar hinzufügen





Wie funktioniert Sightjogging?
Was ist das »Weltrechtsprinzip«?
Konnten Kanonenkugeln explodieren?
Wann ist Sex wirklich Sex?
Was kostet ein Theatervorhang?
P.M.-Workshop: Wissen erleben und Hybrid erfahren
Jaguar XJ: Von der Modernität getrieben, den Markenwerten verpflichtet
Smarte Trips: So funktioniert das Ausleihen (Neue Mobilität III)
Mobilität á la carte: Die Lust, ein Auto fahren ohne es besitzen zu müssen (Teil I)
Peugeot offeriert in Berlin Mobilität „Mü“: Fahren mit Punkten (Teil II)