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Flug ohne Rückkehr

Mühsam steigt der große Falter in die Luft. Nur langsam gewinnt er an Höhe. Doch schon nach wenigen Minuten gewöhnt sich das Insekt an das hohe Gewicht des Radiosenders an seinem Bauch – immerhin knapp die Hälfte seines eigenen Körpergewichts. Die Rede ist vom Monarchfalter (Danaus plexippus). In einem Schwarm von mehreren Millionen Schmetterlingen machen sich die Insekten jedes Jahr auf die lange und beschwerliche Reise von Mexiko nach Kanada.

Dem Ornithologen Martin Wikelski ist es zum ersten Mal gelungen, einen dieser Falter für eine längere Distanz genau zu verfolgen und seine Route aufzuzeichnen.

Start dieses Projektes war ein Flugplatz im US-Bundesstaat Kansas. Auf einer Wiese wurde ein Monarchfalter eingefangen. Der Forscher klebte auf die Unterseite des Tieres einen Radio-Transmitter (Foto: MPI für Ornithologie, Radolfzell / Carrie Fudickar). Nach einer kleinen Stärkung für den Schmetterling, der jetzt mehr Gewicht zu schleppen hatte, ließ der Biologe das Insekt frei.

Wie erwartet flog der Falter Richtung Norden. Wikelski und sein Team verfolgten den Flug des Schmetterlings erst in einem kleinen Flugzeug und später im Auto. Der Sender funkte ununterbrochen die Position des Forschungsobjektes. So konnte dieses nach 18 Kilometern wieder aufgespürt und von seiner Last befreit werden. Aufgrund starker Winde wollten die Ornithologen dem Monarchfalter eine längere Reise nicht zumuten.

Doch wie kam der Schmetterling nach Kansas zu Martin Wikelski? Der lange Flug des Monarchfalters beginnt im April in den Bergen Mexikos. Bis die Millionen Schmetterlinge im August in Kanada angekommen sind, passieren diese vier Stationen. Dabei werden drei Generationen des Schmetterlings unterwegs sein. Die vierte Generation wird den Kreis der Wanderung schließen und im November wieder Mexiko erreichen.

Die erste Generation startet im Frühjahr und schafft es in einem Monat bis zur Grenze der USA. Hier am Rio Grande legt jedes Weibchen die ersten ihrer bis zu 400 Eier. Anfang Juni erreicht der Schwarm Texas. Dort werden die restlichen Eier gelegt. Danach sterben die Falter der Elterngeneration.

Die nachschlüpfende zweite Generation führt die Reise fort. Nach der Paarung in Texas schaffen sie es bis zum Breitengrad der US-Hauptstadt Washington. Hier legen die weiblichen Schmetterlinge der zweiten Generation ihre Eier und sterben ebenfalls.
Nach dem Schlüpfen und der Paarung fliegt die dritte Generation los. Diese Enkelgeneration wird Ende August ihr Ziel, erst Pennsylvania und dann den Süden Kanadas erreichen. Hier legen die Schmetterlinge ihre Eier bei den Großen Seen in der Provinz Ontario ab.

Auch diese dritte Generation tritt nicht den Rückflug an. Im September schlüpft dann die vierte Generation. Erst sie wird die 7000 Kilometer weite, gefährliche und strapaziöse Reise zurück nach Mexiko auf sich nehmen. Für den langen Flug nutzt der Schwarm die kräftigen Aufwinde des Eriesees. Ende November erreicht der große Schwarm sein Ziel. Das warme Mexiko. Dort werden die Tiere überwintern, um dann im April erneut in Richtung Kanada aufzubrechen.

Diese Pionierstudie ebnet den Boden für weitere Forschungen. Sie wird es möglich machen, die Flugrouten von Schädlingen wie der Wanderheuschrecke zu erfassen und vorherzusagen. Das könnte viele Ernten retten.


Sie haben noch eine Frage zum Thema? Jetzt bei P.M. BesserWissen stellen.
Hyperlinks zu diesem Thema:

Max Planck Institut für Ornithologie, Vogelwarte Radolfzell
Funktionsweise der Sender




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