Wie und warum sich gerade auf der Erde das Leben entwickelt hat ist eine der spannendsten Fragen der Weltraumforschung. Einer Theorie zufolge wurden Biomoleküle aus dem All von Kometen oder Asteroiden auf unsere Erde transportiert und trafen hier auf günstige Bedingungen. Neueste Ergebnisse, die die NASA-Raumsonde »Stardust« geliefert hat, scheinen genau das zu bestätigen (Bild: NASA/jpl). Die Sonde fand im Staub eines Kometen die Aminosäure Glycin.
Aminosäuren sind eine Molekülklasse, aus der die Eiweiße (Proteine) aufgebaut sind. Sie werden auch oft als »Bausteine des Lebens« bezeichnet, da Proteine in allen Lebewesen der Erde vorkommen und vom Haar bis zum Enzym verschiedenste Funktionen haben können. Insgesamt gibt es 20 Aminosäuren, die in Kombinationen zu Millionen Proteinen zusammengebaut werden können. Glycin ist strukturell am einfachsten gebaut und befindet sich beispielsweise im Kollagen, einem Eiweiß des menschlichen Bindegewebes.
»Die Entdeckung des Glycins unterstützt die Vorstellung, dass die grundlegenden Bausteine des Lebens tatsächlich im Weltall vorkommen und dass das Leben im Universum vermutlich eher verbreitet als selten ist«, freut sich Dr. Carl Pilcher, der Direktor des NASA Instituts für Astrobiologie. Neu ist an der Entdeckung vor allem die Tatsache, dass Kometen anscheinend in der Lage sind, Biomoleküle durch das All zu transportieren. Dies ist das erste Mal, dass eine Aminosäure als Bestandteil eines Kometen nachgewiesen werden konnte. Kometen bestehen in der Regel hauptsächlich aus Eis, enthalten auch Material, das aus der Geburtsstunde unseres Sonnensystems stammt.
Obwohl die Staubproben der »Stardust« zweifelsfrei Glycin enthielten, konnten die NASA-Forscher zunächst nicht sicher sein, ob es tatsächlich extraterrestrisch ist. Glycin ist auch auf der Erde häufig, daher hätte es auch eine irdische Verunreinigung sein können, verursacht beim Bau der Raumsonde. Die Echtheit des Weltraum-Glycins wiesen die Forscher nun mit der Methode der Isotopen-Analyse nach.
Isotope sind Versionen eines Elements mit unterschiedlichem Gewicht. Ein Beispiel ist der Kohlenstoff (C). Seine Atome kommen entweder als die auf der Erde verbreitete Form C12 oder als das seltenere C13 vor. Der Kern eines C12-Atoms besteht aus sechs Protonen und sechs Neutronen. C13 dagegen hat ein zusätzliches Neutron im Kern und ist deshalb schwerer. Bei Kohlenstoff aus dem Weltall ist die C13-Form weit häufiger als auf der Erde. Daher wäre zu erwarten, dass auch der Kohlenstoff im extraterrestrischen Glycin schwerer ist als im Glycin von unserem Planeten.
Tatsächlich konnte in den »Stardust«-Proben C13 nachgewiesen werden. Somit ist für die Wissenschaftler sichergestellt, dass es sich wirklich um einen Lebensbaustein aus dem Weltall handelt. „Unsere Daten unterstützen die Theorie, dass ein Teil der Grundbausteine des Lebens im All entstanden und vor langer Zeit bei Meteoriten- und Kometeneinschlägen auf die Erde gelangt ist“, stellt Dr. Jamie Elsila vom Forscherteam der NASA fest.
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