Tetris ist ein Kassenschlager. Seit seiner Entwicklung vor 25 Jahren hat sich das Computerspiel 30 Millionen Mal verkauft. Eine schnelle Kombinationsgabe, räumliches Vorstellungsvermögen und flinke Finger sind gefragt. Gilt es doch, geometrische Figuren, die vom oberen Bildschirmrand herab gleiten, möglichst schnell an den richten Platz zu manövrieren (Istock Foto). Eine Herausforderung, die Spaß macht. Doch Tetris ist mehr als nur ein netter Zeitvertreib.
Im Mind Research Network in Abuquerque (US-Bundesstaat New Mexico) durften 26 Jugendliche täglich eine halbe Stunde lang zu Forschungszwecken Tetris spielen. Nach drei Monaten zeigte eine Magnetresonanztomographie, dass sich die Nervenzellen in der Hirnrinde vermehrt hatten. Ebenso wiesen die Versuchspersonen im Gegensatz zur nicht-spielenden Kontrollgruppe generell eine gesteigerte Gehirnaktivität auf. Ein Ergebnis, das sich mit früheren Untersuchungen deckt. Neu jedoch ist die Erkenntnis, dass nach den drei Monaten sogar solche Hirnregionen aktiver waren, die beim Spielen kaum benötigt wurden. So etwa das Sprachzentrum oder das Areal des kritischen Denkvermögens.
Noch spannender sind die Aussagen der Neurowissenschaftlerin Emily Holmes von der Universität Oxford. Sie behauptet, Tetris könne Flashbacks verhindern. Diese treten oftmals auf bei so genannten „posttraumatischen Belastungsstörungen“. Sie sind dafür verantwortlich, dass traumatisierte Personen immer wieder die belastenden Situationen durchleben und durchleiden müssen.
Um ihre These zu überprüfen, setzte Holmes ihren Probanden einen zwölfminütigen Film mit verstörenden Szenen vor. Haarsträubende Unfälle, blutige Verletzungen und rohe Gewalt flimmerten über die Mattscheibe. Gleich nach der Vorführung durften die Versuchspersonen Tetris spielen. Das Resultat war eindeutig: Die Computerspieler erinnerten sich sowohl direkt nach dem Spiel wie auch im Verlauf der folgenden Woche deutlich seltener an den Videofilm als die untätige Kontrollgruppe.
"Tetris therapiert das Trauma nicht im eigentlichen Sinn, sondern verhindert vorab, dass gewisse Aspekte des Erlebnisses überhaupt gespeichert werden", erklärt Holmes. Flashbacks entstehen nämlich in den Gehirnarealen, in denen optische und räumliche Eindrücke verarbeitet werden. Genau diese Bereiche sind jedoch beim Tetris-Spielen voll ausgelastet.
Noch sind einige Experten skeptisch. Sie kritisieren, dass der Gewaltfilm nicht ausgereicht hätte, um echte Flashbacks zu erzeugen. Denn verständlicherweise durften die Testpersonen nicht über die Maßen schockiert werden. Noch ist die positive Wirkung umstritten. Falls es Holmes gelingt, alle Zweifel auszuräumen, könnten Gameboys zur Standard-Ausrüstung von Rettungskräften und Frontsoldaten werden.
|