Zwei Minuten strammer Marsch sind genug, dann reicht die Energie, um eineinhalb Stunden lang mit dem Handy zu telefonieren. Das versprechen die Entwickler der neuen Systeme, die es künftig ermöglichen sollen, beim Gehen Strom zu produzieren. Die Idee, die Bewegungsenergie des Menschen zur Stromgewinnung zu nutzen, ist nicht neu. Bei den bisherigen Ansätzen haperte es jedoch an der Leistungsfähigkeit und der Bequemlichkeit für den Träger.
Britische Entwickler von der School of Process, Environmental and Materials Engineering in Leeds wollen nun erst einmal herausfinden, wo am Körper Geräte zur Energiegewinnung am wenigsten stören. Eine Möglichkeit wäre, die Bewegungen der Träger von Rucksäcken zu nutzen; eine andere Idee sieht vor, am Knie eine Schiene anzulegen.
Um die mechanische Energie aus der Bewegung in Strom umzuwandeln, sollen modernste keramische und kristalline Materialien zum Einsatz kommen. In zwei Jahren wollen die Forscher ihre Lösung auf den Markt bringen. Für die Variante am Knie hat sich das kanadische Unternehmen Bionic Power bereits entschieden. Der tragbare Stromgenerator, der sich zu Zeit in der Entwicklungsphase befindet, ist als orthopädische Kniestütze konzipiert.
Hauptzielgruppe beider Entwicklerteams sind derzeit Soldaten, die auf ihren langen Märschen entlastet werden sollen. Bei einem sechsstündigen Patrouillengang tragen sie bis zu 75 Kilogramm Gepäck, davon allein bis zu zehn Kilo Batterien. Und um genau diese zehn Kilo sollte das Marschgepäck erleichtert werden.
Der erste Ansatz der Forscher lag darin, durch Funkgeräte mit Standby-Modus den Stromverbrauch und damit den Batteriebedarf zu verringern. Die Bewegungsenergie der marschierenden Soldaten soll nun zusätzlich mit Solarenergie dafür sorgen, dass Batterien gänzlich überflüssig werden. Das ist nicht nur gesünder für die Rücken der Soldaten, sondern bringt auch Vorteile für die Umwelt.
Momentan steht noch die militärische Nutzung der neuen Entwicklungen im Vordergrund, dennoch betonen beide Firmen, dass sie auch ein großes Potential bei Zivilisten sehen. Strom aus Eigenproduktion könnte auch vielen Wanderern das Gepäck erleichtern (Bild: Rainer Sturm/pixelio). Diese Marktlücke hat auch das US-Unternehmen M2E Power entdeckt, dass nach eigenen Angaben demnächst ein Handy-Ladegerät auf den Markt bringen will, das mit Bewegungsenergie arbeitet.