Wissenschaft kann auch Spaß machen – zumindest wenn man das Glück hat, an dem Leon Recanati Institute for Maritime Studies der University of Haifa angestellt zu sein. Neben ausgiebigen Tauchgängen im Mittelmeer baut man hier auch alte Kriegsschiffe nach, um sie anschließend zu beschießen. Das soll wichtige Erkenntnisse über die Schifffahrt des 18. Jahrhunderts liefern.
Das Recanti Institute for Maritime Studies und Rüstungsingenieure bauten versuchshalber ein 1799 versunkenes Schiff nach. Das Besondere an diesem Schiff ist sein ungewöhnlich massiver Rumpf. Schon lange rätselten Archäologen über den Sinn der dicken Schiffswand. Der Frage, ob der massige Schiffsrumpf eine Art Panzerung gegen die Kugeln darstellte, sind israelische Wissenschaftler nun nachgegangen. Dazu fertigten sie gleich fünf Modelle im Maßstab 1:2 an. Die Bootsbauer versuchten, alle Materialien und Fertigungstechniken zu verwenden, die auch Ende des 18. Jahrhunderts üblich waren.
Die Modelle gehen zurück auf ein Schiff, das bei der 61-tägigen Belagerung der Hafenstadt Akko im heutigen Libanon von Napoleon III. versenkt wurde. Das Wrack wurde 1966 gefunden und war einst wohl ein sogenanntes Blockschiff. Dies war ein Wasserfahrzeug, das man gezielt versenkte, um eine Hafeneinfahrt für den Feind unpassierbar zu machen. Zusammen mit der Rüstungsfirma Rafael Advanced Defense Systems wurden außerdem Kanonen und Kugeln nachgebaut. Um die Theorie zu überprüfen, ob die Schiffswand einem Beschuss standhalten würde, machten die Wissenschaftler die Probe aufs Exempel.
Die Holzrümpfe aus massivem Eichenholz widerstanden den Kugeln nicht, egal ob der Beschuss mit einer Geschwindigkeit von 500 oder 100 Metern pro Sekunde erfolgte. Bei den langsameren Kugeln sorgte der Einschlag sogar für besonders viele Holzsplitter. Diese stellten für die Besatzung ein großes Risiko dar. Die langsameren Kugeln waren also noch gefährlicher als die schnelleren.
Obwohl relativ robust, gehörten Holzschiffe damals schon bald der Vergangenheit an. Das Wettrüsten auf See machte Kriegsschiffe aus Metall erforderlich, die einer neuen Generation von Kugeln mit explosivem Kern besser widerstehen konnten (Foto University of Haifa).
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