Durch Kolumbiens Regenwald schlängelte sich vor 60 Millionen Jahren die größte Schlange, die die Welt je gesehen hat: Titanoboa cerrejonensis muss 13 Meter lang und mehr als eine Tonne schwer gewesen sein, schließt ein Paläontologenteam aus den bisher untersuchten Fossilfunden. Die Forscher rekonstruierten die immensen Ausmaße der Schlange anhand von Wirbelknochen. Die Größe ist ein Hinweis darauf, dass die Jahresdurchschnittstemperaturen im tropischen Regenwald vor 60 Millionen Jahren um einige Grade höher lagen als heute.
"Der Körper der Schlange war so ausladend, dass, wenn sie den Flur runter gekommen wäre und beschlossen hätte, in mein Büro zu kommen und mich zu verspeisen, sie sich buchstäblich durch die Tür hätte quetschen müssen", erzählt Jason Head von der University of Toronto. Gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Panama hatte er die in einer Kohle-Minengrube entdeckten Überreste analysiert. Die Paläontologen ordnen den Fund den nichtgiftigen Würgeschlangen zu. Im Vergleich zu den Ausmaßen des prähistorischen Giganten wirken heutige große Würgeschlangen wie Anakonda oder Riesenpython klein und niedlich.
Während die Anakonda zwar nicht rekordverdächtig lang, aber dafür sehr dick werden und bis zu 150 Kilogramm Lebendgewicht erreicht, hat der Netzpython in Ausnahmefällen eine Länge von zehn Metern. Auf dem Speiseplan von Titanoboa cerrejonensis standen vermutlich Riesenschildkröten und Krokodile.
Schlangen sind als Kaltblüter auf die Umgebungstemperatur angewiesen - diese limitieren ihre maximale Größe. Daher gibt die Rekordgröße auch unmittelbare Aufschlüsse über die Temperaturen im tropischen Regenwald des Kolumbiens vor 60 Millionen Jahren. Eine Schlange mit derart immensen Ausmaßen benötigte zum Überleben Jahresdurchschnittstemperaturen von 30 bis 34 Grad Celsius. Das ist bis zu sechs Grad wärmer als heute. (04.05.2009)