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Am Amazonas tobte das Stadtleben

Im Amazonasgebiet gab es eine hochentwickelte Stadtkultur. Archäologen der Universität von Florida in Gainesville haben die Reste eines komplexen Straßen- und Siedlungsnetzes ausgegraben. „Die Funde konnten wir auf das 15. Jahrhundert datieren, also auf eine Zeit, als die Europäer Amerika noch gar nicht entdeckt hatten“, berichtet Mike Heckenberger, Leiter des Projektes. Die ersten Siedlungen müssen bereits um 1250 entstanden sein.

Die Überreste weisen auf eine hochentwickelte Stadtkultur der Ureinwohner im Amazonasbecken hin. Über deren Existenz wurde nach Einzelfunden im Verlauf der letzten Jahrzehnte oft spekuliert, aber einen durchschlagenden Beweis war die Forschung schuldig geblieben. Heckenbergers Funde zeigen erstmals, dass nicht nur die in den Anden beheimateten Inkas in Städten lebten, sondern auch ihre Nachbarn im amazonischen Tiefland.

Die Anlagen wurden vom Regenwald aber rasch überwuchert und sind deshalb sehr schwer zu finden. Heckenberger und seine Kollegen brauchten ein Jahrzehnt, um sie mit neuester Technologie wie Satellitenaufnahmen und dem Satellitenpeilsystem GPS aufzuspüren.

Jede Stadt hatte eine Größe von etwa 80 Hektar, das sind über 100 Fußballplätze, was der Größe einer mittelalterlichen Stadt entspricht. Im Umkreis befanden sich kleinere Dörfer. Diese urbane Lebensform ist Zeugnis eines bemerkenswerten „Planungs- und Organisationsvermögens“, erklärt Heckenberg.

Wie im mittelalterlichen Europa oder dem antiken Griechenland waren die Amazonasstädte durch lange Wälle gesichert. Die Forscher fanden Fundamente, die auf massive Bauwerke hinweisen. Innerhalb dieser Wälle konnten sie Wohnquartiere ausmachen, in denen sie neben Grundmauern von Häusern (Foto) auch Müllplätze fanden. Fischteiche deuten auf eine intensive Fischereiwirtschaft hin.

Verbunden waren die einzelnen Ortschaften durch ein weit verzweigtes Straßensystem, das sich innerhalb der Städte immer entlang einer Nord-Süd- beziehungsweise Ost-West-Achse erstreckte und sein Zentrum auf der Plaza im Stadtzentrum hatte.

In dieser städtischen Zivilisation waren die Xingu zu Hause. Mit dem Eintreffen der spanischen Eroberer fand sie gegen 1650 ein schnelles Ende. Die Europäer brachten Krankheiten wie Grippe, Windpocken und Masern mit, gegen die die Ureinwohner keinerlei Immunabwehr hatten. Die Begründer der Stadtkultur wurden so rasch von Krankheiten dahingerafft, dass der einzige Augenzeugenbericht über die Xingu-Kultur von Zeitgenossen als Fabel angesehen wurde. (14.10.2008)


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