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Augäpfel auf Wanderschaft

Matt Friedman von der Universität Chicago musste für diese Entdeckung noch nicht einmal im Erdreich wühlen. Er öffnete vielmehr eine Schublade im Naturhistorischen Museum in Wien, in dem längst vergessen Fossilien lagerten. Der Forscher prüfte die 50 Millionen Jahre alten Überreste und stellte schnell fest, dass er ein echtes „missing link“ gefunden hatte.

Die heute lebenden Plattfische wie Scholle, Flunder oder Seezunge (Foto) haben eine asymmetrische Körperform. Sie schwimmen nicht senkrecht durchs Wasser wie alle anderen Fische, sondern liegen auf der Seite. Daher müsste eigentlich anatomisch korrekt ein Auge nach oben Richtung Oberfläche weisen, das andere Richtung Meeresgrund. Da Plattfische sich aber meistens auf dem Grund des Meeres aufhalten, wäre ihnen das unten liegende Auge wenig nützlich.

Zunächst haben die Larven der Plattfische noch eine symmetrische Kopfform. Während die Fische heranwachsen, wandert allerdings das unten liegende Auge auf die andere Seite des Schädels nach oben. Da man für diese Entwicklung bisher keine Zwischenformen kannte, ging man davon aus, dass es sich um einen Evolutionssprung handelte. Dabei entsteht nicht eine kleine Mutation eines Merkmals, sondern eine so genannte Makromutation, die wesentlich umfassender ausfällt. Entweder schadet diese Veränderung dem Lebewesen, dann stirbt es aus, oder sie nützt ihm, dann kann es sich fortpflanzen und größere Fitness erwerben.

Die Ansicht von einer Makromutation, die bis in die heutige Zeit galt, ist mit den Funden von Friedman endgültig widerlegt worden. Er untersuchte die Fossilien und entdeckte, dass diese Fische eine leicht asymmetrische Augenstellung hatten. Diese Lebewesen stellen also eine Zwischenform dar, mit der man belegen kann, dass der Weg von der symmetrischen zur asymmetrischen Kopfform stufenweise verlief und nicht schlagartig.

Die spezielle Augenstellung verschafft den Tieren einen Überlebensvorteil: sich gut getarnt auf den Meeresboden zu drücken und dabei nach oben zu blicken. Auf diese Weise entdecken sie Fressfeinde oder Beutetiere, ohne selber aufzufallen. Ein einziges nach oben gerichtetes Auge wäre dabei nicht hilfreich, da man mit einem Auge nicht räumlich sehen kann. Der Fisch könnte so die Entfernung zu anderen Tieren gar nicht abschätzen.

Friedmans Fossilienfund belegt eindeutig die Mechanismen der Evolutionstheorie: Neue Formen bringt die Natur in Etappen hervor. (05.09.2008)




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Hyperlinks zu diesem Thema:

Forschungsbericht der Chicago Universität




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