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Spione im Vatikan

Wenn es auch keinen Geheimdienst gab, Geheimdiplomatie war der Kirche nie fremd. Die älteste Bürokratie der Welt mit der längsten diplomatischen Erfahrung setzte schon im 11. und 12. Jahrhundert päpstliche Gesandte und wohl auch so etwas wie Geheimagenten ein.

Historisch gesehen ist der Vatikan die älteste Regierung zumindest in Europa, die für die Übermittlung von Geheiminformationen ein Code-System einsetzt. Im 14. Jahrhundert, unter Papst Johannes XXII. (1316—1334), war der päpstliche Notar Bernhardus Stephanie zuständig für Chiffrierung und Decodierung der Geheimpost, also für Verschlüsselung und Entzifferung. Er war sozusagen der erste Chef einer Art päpstlichen Geheimdienstes, als der Papst noch weltlicher Herrscher eines ausgedehnten Territoriums war. Im 15. Jahrhundert befasste sich der Gelehrte und Humanist Leon Battista Alberti (1404 —1472) im Auftrag der Kurie mit der Frage verschiedener Chiffriermöglichkeiten und überreichte dem päpstlichen Sekretär Leonhard Datus die erste ausgearbeitete Kryptografie, die für die päpstliche Geheimkorrespondenz eingesetzt werden konnte.

Selbstverständlich verwendete der Vatikan, damals wie heute, für die geheime Korrespondenz mit den Auslandsvertretungen einen eigenen Übertragungscode. Während des Zweiten Weltkriegs galten verschiedene Geheimhaltungsstufen; sie wurden allerdings problemlos von den italienischen Abhörspezialisten entschlüsselt. Nicht alles, aber wichtige Erkenntnisse wurden auch den Deutschen mitgeteilt.

Die Situation heute dürfte sich nicht grundlegend geändert haben: Was an Informationen, verschlüsselt oder nicht aus dem Vatikan über den Äther geht kann mitgehört und mitgeschrieben werden. Über die erforderlichen Mittel verfügt jeder große Nachrichtendienst. Wenn auch der Vatikan über keinen eigenen Geheimdienst verfügt, so kann man aber davon ausgehen, dass das vatikanische Staatssekretariat direkt oder indirekt über Erkenntnisse der Nachrichtendienste befreundeter Staaten informiert wird.

Mehr dazu in dem Buch "Spione im Vatikan" von Werner Kaltefleiter und Hanspeter Oschwald, Pattlochverlag.


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