Community Organizing (CO) basiert auf drei Prinzipien:
1. Menschen Regisseure ihrer eigenen Biografie werden lassen
Menschen werden häufig an ihren Defiziten und Fehlern gemessen, wohingegen CO deren Stärken und Talente betont. Jeder Bürger hat einen Anspruch darauf, sein eignes Leben selbständig zu gestalten – nur so wird er zum zupackenden Staatsbürger, wichtig insbesondere für Sozialarbeit und Pädagogik.
2. Knüpfen von Netzen öffentlicher Beziehungen
Der Beteiligungsprozess im CO beginnt damit, dass Bürger nach ihren Erfahrungen und Problemwahrnehmungen befragt werden. Das geschieht bei einem persönlichen halbstündigen Gespräch. In dem sich anschließenden Vernetzungsprozess kommen die Befragten zusammen, um Problemlösungen zu entwerfen. Sie selber untersuchen die Machbarkeit ihrer Vorschläge, einigen sich auf die wichtigsten und treten mit ihnen an die öffentlichen Entscheidungsträger heran. Ein Organisator steht ihnen in diesem Ablauf als Katalysator und Coach bei – Experten sind die Betroffenen selber.
3. Ein neuer Machtbegriff, der die Liebe einbezieht
Der Schüsselbegriff im CO ist Macht, vom Bürgerrechtler Martin Luther King als eine Ergänzung der Liebe definiert: „Wir müssen begreifen, dass Macht ohne Liebe rücksichtslos, Liebe ohne Macht blutleer ist. Macht auf seinem höchsten Niveau ist Liebe, die das Verlangen nach Gerechtigkeit stillt; Gerechtigkeit auf ihrem höchsten Niveau ist Liebe, die alles beseitigt, was der Liebe im Wege steht“ (aus: Where Do We Go From Here: Chaos or Community?, 1967).
Macht hat in demokratischen Gesellschaften zwei Formen: organisiertes Geld und organisierte Menschen. Besonders den Randgruppen fehlt die Geldmacht – wenn sie sich organisieren, werden sie Menschenmacht, eine Lobby, der Entscheidungsmacher zuhören. Ziel dieser Beteiligungsmethode ist der Aufbau unabhängiger Bürgerorganisationen, die sich im vorparlamentarischen Raum für ihre eigenen Interessen einsetzen – handlungsorientiert und partizipativ, einen elementaren Baustein der Zivilgesellschaft bildend.
Community Organizing fügt sich in die politische Kultur Europas und Deutschlands ein. Es ist eingebettet in die abendländische Tradition politischer Selbst- und Mitbestimmung, die erstmals vor 2500 Jahren in Athen Geschichte schrieb. CO steht im Geist neuzeitlicher Aufklärung und ihres großen Vordenkers Immanuel Kant, der die Mündigkeit des Einzelmenschen dem Absolutismus staatlicher Apparate entgegenstellte. Community Organisationen sind breiter aufstellt als die vertrauten Bürgerinitiativen, nicht re-aktiv auf Missstände reagierend, sondern pro-aktiv die soziale Zukunft gestaltend.
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