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Auto & Verkehr
Panamera 4 S im Winter: Mit Allrad kraftvoll durch verwehten Schnee pflügen
von P.M.-Redakteur Wolfgang Stegers

Der Panamera-Allrad beißt sich durch
den Schnee: Gute Traktion im Winter
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Ist das nun der viertürige Porsche? Hat er hinten denn auch genügend Platz? Solche Fragen werden immer noch gestellt, wenn man mit dem Panamera unterwegs ist. Beim Zuckeln mit Tempo 120 auf der rechten Spur der Autobahn, kommt man sich vor, im Schaufenster zu sitzen. Überholende verlangsamen ihr Tempo, Fahrer und Beifahrer betrachten den Wagen ausgiebig. Selbst auf Münchens chicer Flaniermeile, der Maximiliansstraße, erheischt er Aufmerksamkeit. Der jüngste Porsche gilt noch als exotisch, ist im Straßenverkehr seltenst auszumachen. Werden die beiden Antipoden des Geschmacks, der Mercedes CLS und der BMW X6, nicht mehr beachtet, wird der Panamera ausgiebig begutachtet, meist als schön befunden. Eigner eines Range Rovers oder Jaguars wollen es ganz genau wissen und stellen ungeniert Fragen. Während der zweiwöchigen Testphase eine eher ungewohnte Situation.

Die technische Ästhetik gepaart mit handwerklicher Perfektion

Sicheres Vorwärtskommen auch bei Eis:
Gute Winterreifen, sosierbarer Allrad
Ob nun der Wagen nicht in die Zeit passt (er lässt sich nur überaus zäh verkaufen), zu massig, zu teuer oder zu stark motorisiert ist, braucht seinen Eigner wenig zu kümmern. Er chauffiert einen Wagen, bei dem sich Luxus und Sportlichkeit, Exklusivität und Alltagstauglichkeit aufs trefflichste verschmelzen. Wie ein komplizierter Chronograph durch seine Ästhetik erfreut und bei allen technischen Raffinessen doch hauptsächlich nur die Zeit zeigt, so umweht die vier Insassen jenes gelassene Prestige, das den Wohlstand zeigt, aber nicht mit Reichtum protzt. Delektrieren kann man sich an den handwerklich bis ins Feinste ausgefeilten Accessoires, Kleinigkeiten wie Schalter, Ledernähte oder passgenaue Intarsien. Sie unterliegen nicht den Zeitläufen wechselnder Moden.

Zielgenaue, griffschnelle Schalter anstelle diffiziler Softwaremenüs

Vier Türen laden zum Einstieg ein: Die
hinteren Plätze bieten opulenten Raum
Etwa die Kommandotafel der Knöpfe auf dem Mitteltunnel, der die Sitzkuhlen von Fahrer und Copilot trennt, vereint griffschnelles, intuitives Bedienen wie auf die technische Funktion reduzierte Schönheit. Diese Melange von form & function, von edler Anmutung und ergonomischen Benutzen steigert das sinnliche Erleben, einen solchen Wagen zu bewegen. Computergerechte Bedienmenüs, die mit Joystick oder Drehknopf ganz tiefes wie gleichermaßen nervendes Eintauchen in die Softwareebenen erfordern, fehlen. Dabei kann das Schalterklavier nicht jene Verwirrung und Hilflosigkeit erzeugen, die der Software eigen ist.

Allrad zum besseren Durchkommen und für mehr Fahrsicherheit

Aufgeräumtes Cockpit, harmonische
Armaturentafel: Porsche Panamera
Am Rande der bayerischen Alpen empfiehlt sich der Panamera nicht nur im Winter in der Allradvariante. Die Vorteile kommen auch für die 400 PS-Limousine im Sommer bei Nässe zum Tragen. Besser Spurtreue, schnelleres Herausbeschleunigen aus Kurven und besserer Grip an allen vier Rädern kann der Allrad für sich verbuchen. Bei Neuschnee im Winter zieht er unbeirrt seine Bahn. Besonders hilfreich ist die Hochstellung der adaptiven Luftfederung (Aufpreis1900 Euro). Die erhöhte Bodenfreiheit verhindert die Mutation der Panamera-Front zum Schneepflug. Schnell schiebt die Stoßstange dann die weiße Pracht vor sich her, verstopft die Kühler und gräbt sich ein. Toben im pulvrigen Schnee ist weniger möglich. Ist die Tempomarke von 40 km/h überschritten, senkt sich die Karosserie wieder ab und sitzt auf dem Schnee auf. So ist der Allradantrieb im viertürigen Luxuscoupé weniger für Offroad-Einsätze abseits asphaltierter Straßen in Match und Schlamm gedacht, dennoch ist bewundernswert, wie er sich der 5 Meter lange und 1,93 m breite Wagen aus Schneewehen wühlen kann.

Start-Stopp zu langsam und noch nicht ausgereift

Liebe zum Detail, feinste Verarbeitung:
Das interieur wirkt luxuriös und edel
Karosserie und Motor gehen eine harmonische Allianz ein. Die Fahrleistungen des V8-Triebswerks sind sportlich und angemessen. In unter fünf Sekunden sprintet der langgestreckte, walförmige unter zwei Tonnen wiegende Fließheck-Sportler aus dem Stand auf Tempo 100 und keine 20 Sekunden benötigt er, um die 200 km/h-Marke zu reißen und mit 282 km/h seine Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Das Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe harmoniert mit dem kraftvollen Motor noch nicht perfekt. Im Elfer sind die Übergänge präziser und weicher.

Verbrauch pendelt sich auf 12,5 Liter ein

Porschelike: Die typischen Rundinstrumente
mit dem großen Drehzahlmesser in der Mitte
Auch hat die erste Generation der Start-Stopp noch kleinere Macken. So empfiehlt es sich, an der Ampel nicht zu schnell von der Bremse und aufs Gas zu steigen, weil das PDK-Getriebe nicht mitkommt. Es reagiert einfach zu langsam. Wie überhaupt Start-Stopp und Automatik weitaus schlechter „miteinander können“, als Handschalter und Start-Stopp. Erstaunlich und beachtenswert ist der Verbrauch des Wagens. Er pendelt sich bei 12,5 Liter Super ein. Ein Wert, der sich in dieser Leistungsklasse sehen lassen kann und gefühlt noch niedriger erscheint, weil der Tank 95 Liter fasst.

Störende Geräusche nerven

Blick nach vorn. Vom 440-Liter Kofferraum
durch die hintere Mittelarmlehne
Bei einem Fahrzeug mit 102 000 Euro Grundpreis ist es schon verwunderlich, dass es zu Verspannungen im Antriebsstrang kommt, wenn die Lenkung bis zum Anschlag gedreht wurde und sich gleichzeitig auch noch die Hydraulik mit Zischen in der Leitung meldet. Ähnliche Störgeräusche sind nach dem Abstellen und dem Luftablassen der Federung des Wagens wahrnehmbar. Und tiefe Wintertemperaturen im zweistelligen Bereich, mag die Karosserie überhaupt nicht. da knistert es im Armaturenbrett nahe dem Beifahrer-Airbag vor der Windschutzscheibe, als ob eine ganze Mäusefamilie aktiv wäre.So sind es diese kleinen, bisweilen nervenden Nickligkeiten, die Genuss und Fahreindruck des Panamera beeinträchtigen. Es will nicht recht zum Charakter des viertürigen Luxuscoupès mit Limousinenraum passen, wenn die Perfektion nicht erreicht wird. Feinschliff tut not.

13.01.2010
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