Diskussion von Einsteins Theorien Versuch einer Würdigung Albert Einsteins
Mein Kollege Peter Ripota stellt in seiner "kritischen Würdigung" von Albert Einstein Behauptungen auf, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen.
Peter Ripota behauptet: " Die Formeln, Ideen und zum Teil sogar Fachausdrücke für die Spezielle Relativitätstheorie (SRT) stammen allesamt von dem französischen Mathematiker und Begründer der Chaosforschung, Henri Poincaré, der sie 1904 veröffentlichte, ein Jahr vor Einstein. ... Die Idee der Zeit als vierter Dimension war schon sehr alt - der britische Science-Fiction-Schriftsteller H.G. Wells verwendete sie in seiner Erzählung "Die Zeitmaschine" aus dem Jahr 1895."
Richtig ist, dass weder Poincaré noch H.G. Wells die Bedeutung der Zeit als vierte Dimension so erkannt haben wie es Albert Einstein tat. Einstein verband Raum und Zeit innigst miteinander. So wie ein räumlicher Körper nur durch die drei Koordinaten Länge, Breite und Höhe zu beschreiben ist, so trat die Zeit mit Einstein nun als weitere "relative" Größe in einer – erst später so genannten – "Raum-Zeit" hinzu. Somit erst bekam die Science-Ficiton-Welt der Zeitmaschinen überhaupt ein theoretisches Konzept.
Peter Ripota schreibt: "Durch die Abschaffung des Äthers wurde nichts erklärt."
Das Gegenteil ist richtig. Einstein stellte den "Äther" in Frage, der als theoretische Hilfskonstruktion die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen erklären half. Den Anlass dazu gab ihm das Problem, dass sich der hypothetische Äther experimentell nicht feststellen ließ! Einsteins Überlegung: Sollte es aber nicht, etwa für die Lichtausbreitung, einen Unterschied ausmachen, ob man mit der Erde durch den Äther rast oder darin ruht? Einstein erkannte den Äther als überflüssig und schaffte ihn ab ? ein brillantes, wenn auch zugegebenermaßen keineswegs originelles Unterfangen, hatten doch auch andere daran schon gedacht. Das wirklich Einmalige in Einsteins Denken war, dass er aus vielen Spezialfragen, z.B. der "Äther-Frage", den Stoff für ein neues Verständnis von Raum und Zeit machte.
Peter Ripota schreibt: "Die SRT enthält Widersprüche".
Die Relativitätstheorie enthält keine Widersprüche. Im Gegenteil! Erst durch Einsteins Theorie verschwanden all jene Widersprüche, die sich aus Newtons Konzept einer absoluten Zeit ergeben hatten! Einsteins Theorie enthält auch keinerlei unauflösbares Paradox. Vielmehr ergeben sich aus dieser Theorie lediglich aberwitzig anmutende Folgerungen – wie die Verkürzung schnell bewegter Objekte oder langsamer laufender Uhren. Die theoretischen Spielereien, die sich daraus ergeben, wie das sogenannte Zwillingsparadoxon und das sogenannte Ehrenfestsche Paradoxon – ließen sich viele Jahre nach Einsteins Tod durch Experimente untermauern: So zeigte ein Experiment, dass auf einer Hochpräzisionsuhr, die in einem Flugzeug um den Erdball reist, tatsächlich weniger Zeit vergeht als auf einem auf der Erde verbliebenen Zwillingsgerät, einer Vergleichsuhr.
Peter Ripota schreibt: "Die Formel für die Allgemeine Relativitätstheorie (ART) wurde von dem deutschen Mathematiker David Hilbert gefunden, der daraufhin von Einstein des geistigen Diebstahls beschuldigt wurde, obwohl es genau umgekehrt gewesen ist."
Diese Plagiats-Behauptung ist von Wissenschaftshistorikern längst widerlegt worden! Die Forscher konnten im Jahre 1998 hieb- und stichfest beweisen, daß Albert Einstein die allgemeine Relativitätstheorie als erster in ihre endgültige Form gebracht hat und nicht der Mathematiker David Hilbert! Dadurch ist Einstein vom Vorwurf des Plagiats freigesprochen - und Hilbert gerät (erneut )in den Verdacht bei Einstein abgeschrieben zu haben!
Einstein selbst nämlich hat Anfang Dezember 1915 den Vorwurf des Plagiats gegen Hilbert erhoben. Ein aus seiner Sicht damals nicht ganz unberechtigter Vorwurf, wie sich inzwischen herausgestellt hat. Denn der Wissenschaftshistoriker Leo Curry von der Universität Tel Aviv hat Korrekturbögen von Hilberts entscheidender Arbeit gefunden, die ein neues Licht auf die Affäre werfen. Demzufolge hatte Hilbert seinen Aufsatz vor der Veröffentlichung am 31. März 1916 überarbeitet. Da in der Zwischenzeit Einsteins Aufsatz erschienen war, konnte Hilbert seine noch unvollständigen Ergebnisse korrigieren. Jedenfalls gelangt Hilbert zu den selben Resultaten wie Einstein.
Dass der Durchbruch nicht Hilbert, sondern Albert Einstein gelungen ist, konnte auch Jürgen Renn vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin nachweisen ("Science", Bd. 278, S. 1270).
Peter Ripota schreibt: " ...dass die ART ( Allgemeine Relativitätstheorie) unter anderen das elementare Energie-Erhaltungsprinzip verletzt, ganz zu schweigen davon, dass sie die Anziehungskraft zweier Körper falsch berechnet - nämlich zu null!"
Die Relativitätstheorie verletzt weder das Energie-Erhaltungsgesetz, noch hat Einstein die Anziehungskraft zweier Körper falsch berechnet. Richtig ist vielmehr, dass nicht nur Einstein, sondern bis heute alle (!) Wissenschaftler daran gescheitert sind, die gesamte physikalische Welt einschließlich der Gravitation zu beschreiben. Die Gleichungen solch einer "Weltformel" lassen sich nicht anwenden, ohne dass der Nenner bestimmter Brüche zu Null wird – ein untrügliches Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmen kann. Auf der Suche nach der "Weltformel", der "Großen Vereinigten Theorie", gilt jetzt die Stringtheorie als vielversprechender Ansatz.
Peter Ripota schreibt auch über Eddingtons "angebliche Bestätigung der Einsteinschen Voraussagen bezüglich der Sternpositionen bei einer Sonnenfinsternis".
Was Peter Ripota eine "angebliche Bestätigung" nennt, ist einer der eindrücklichsten Belege für Einsteins Theorie überhaupt! Ihrzufolge ist die "Raum-Zeit" durch grosse Massen gekrümmt und so sollte in der Nähe der Sonne mit ihrem riesigen Gewicht das Licht von fernen Sternen auf seinem Weg zur Erde abgelenkt werden. Genau dieser Effekt wurde zweifelsfrei von Eddington am 29.Mai 1919 bei einer Sonnenfinsternis gemessen. Der britische "Astronomer Royal" Sir Frank Dyson erklärte: "Nach sorgfältiger Untersuchung bin ich bereit zu erklären, dass kein Zweifel daran bestehen kann, dass sie Einsteins Vorhersage bestätigen." (Dieser Lichtablenkungs-Effekt wurde mittlerweile x-fach bestätigt.)