Jeder weiß, dass die Arbeitgeber vieler Kellner und Zimmermädchen das Trinkgeld einkalkulieren, ohne den »Tip« würden diese nicht über die Runden kommen.
Aber abgesehen davon beschäftigt Ökonomen seit eh und je die Frage, warum Menschen im Nachhinein und an Orten, an die sie voraussichtlich nie wieder zurückkehren werden, Trinkgelder geben? Die Beträge summieren sich zu einer durchaus relevanten volkswirtschaftlichen Größe: Im Trinkgeldwunderland USA kommen 15 Milliarden US-Dollar jährlich zusammen.
Vielfach spielen Gerechtigkeitsempfinden und Nächstensorge eine Rolle. Der New Yorker Professor Robert Frank, Ökonom und Spezialist für Grenzfälle eigennützigen Verhaltens, vertritt hingegen die Ansicht, es handle sich nicht ausschließlich um wohlwollende und mitfühlende Aspekte, und auch nicht um eine Kommunikation mit den Bediensteten, sondern um eine mit sich selbst.
Durch das Trinkgeldgeben versichere sich der Geber, kein Egoist zu sein, sondern sich um seine Mitmenschen zu kümmern. Mancher beschert sich selbst ein gutes Gefühl, in dem er anderen eine Freude bereitet. In Japan und China ist Trinkgeldgeben übrigens absolut verpönt und wird vom Empfänger als Beleidigung empfunden.