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P.M. Magazin 12/2004
Medizin & Psychologie
Was passiert mit uns in der Hypnose?

Für die einen nur Jahrmarkts-Kunst, für die anderen eine gefährliche Manipulation: Lange Zeit hatte die uralte Technik der Hypnose einen sehr schlechten Ruf. Doch jetzt erobert sie sich einen Platz in der Medizin zurück. P.M.-Autorin Nele Husman hat die Wirkung an sich selbst getestet

Die Sätze wirken schnell. »Sie versinken immer tiefer und tiefer in Ruhe und Geborgenheit. Ihr Kopf entspannt sich, zuerst das Gesicht, dann der Hals...« Prompt sackt mein Kopf nach vorn, der Mund steht offen. Gerade noch habe ich einen Lampenschirm fixiert, bis meine Augen zugefallen sind. Ich sitze auf der Couch in einem eleganten Apartment nahe dem Central Park in Manhattan. Verblüffend rasch hat mich Marianne Andersen, eine aus Österreich stammende Psychologin in New York, in Hypnose versetzt. Eine angenehme Schwere überkommt meinen ganzen Körper. Mir ist, als wäre er gar nicht mehr vorhanden – gleichzeitig bin ich hellwach und hochkonzentriert.

Ich bin schwanger, und die Hypnose soll mich auf die Geburt vorbereiten. Sie soll mir die Angst nehmen, mich lehren, die nicht benötigten Muskeln zu entspannen und den Schmerz weitgehend auszublenden. Eine britische Studie vor einigen Jahren hat ergeben: Bei Frauen, die ihr erstes Kind zur Welt bringen, dauerten die Wehen nach sechs Hypnosesitzungen während der Schwangerschaft im Schnitt nur 6,4 Stunden – also drei Stunden weniger als üblich. Die akute Geburtsphase, in der das Kind durch den Geburtskanal gleitet, war mit 37 Minuten um 13 Minuten kürzer. Außerdem brauchten die hypnotisch vorbereiteten Frauen wesentlich weniger Schmerzmittel als die Kontrollgruppe.

Was passiert in der Hypnose? »Man schaut wie durch ein Fernglas«, sagt David Spiegel, Professor für Psychologie an der Stanford-Universität in Kalifornien. »Die Aufmerksamkeit ist extrem fokussiert, alles Unwesentliche wird ausgeblendet.« Die Trance ist – wie Schlaf, Wachsein, Koma oder Narkose – ein Sonderzustand des Gehirns. Hypnose setzt das kritische Urteilsvermögen herab, Suggestionen von außen werden leichter angenommen. Im Körper hypnotisierter Menschen erschlaffen die Muskeln, sinken der Blutdruck und die Atemfrequenz. Unter Psychotherapeuten zählt die Hypnose zu den anerkannten Behandlungsformen von Angst, Depressionen und posttraumatischem Stress.

Autor(in): Nele Husmann

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