Verbrechen werden im Mittelalter hart bestraft: Die Machthaber lassen Täter pfählen, rädern, verstümmeln und verbrennen. Doch was wir heute verständnislos als grausame Barbarei ansehen, hat für die Menschen der damaligen Zeit durchaus einen Sinn.
Jede Gegenwehr ist zwecklos. Die an Händen und Füßen gefesselte Frau landet mit lautem Platschen in dem kleinen Teich. Sie windet sich und versucht verzweifelt, an der Wasseroberfläche zu bleiben. Entsetzt sieht sie, wie der Scharfrichter eine lange Astgabel an ihren Hals heranführt und sie unter Wasser drückt. Bald erstirbt ihr Widerstand.
Sie wird ertränkt, weil sie ihr Neugeborenes erstickt hat. Es kam als Folge einer Vergewaltigung auf die Welt, und die Mutter wusste nicht, wie sie es neben vier weiteren Kindern hätte durchbringen sollen. Der »Grüne Weiher«, in dem die Verzweifelte stirbt, ist heute, tausend Jahre später, ein halb verlandeter Tümpel bei Kelberg in der Eifel. In solchen Gewässern werden ab dem Hochmittelalter Menschen ersäuft, die sich bei schweren Vergehen wie Notzucht oder Kindesmord ertappen lassen – auf frischer »grüner« Tat. Das heißt, ihr Verbrechen ist noch so jung wie grüne Blätter im Mai. ...