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P.M. Magazin 11/2003
Der Traum von einer besseren Zukunft
Roboter: Bald sind sie fit für ein Leben mit uns

Zum Beispiel mein Toaster: Ein Knopfdruck, und er macht Brot knusprig, ganz von allein. Dennoch – ich würde kaum behaupten wollen, damit sei eine kluge Maschine in meine Wohnung eingezogen. Wenn ich, sagen wir mal, Kaffee will, guckt mein Toaster dumm aus der Wäsche. Der kann nämlich nur Toast. Neulich hab ich Asimo getroffen. Der ist ein Roboter vom japanischen Honda-Konzern und kann auf zwei Beinen laufen, Treppen steigen und so. Raffiniertes Kerlchen. Aber Kaffee kann er ebenfalls nicht. Auch keinen Toast.
Und das ist das Problem. Was all die Roboter in den Labors dieser Welt mit meinem Toaster verbindet, ist, dass sie irgendeine spezielle Sache beherrschen – und sonst nichts. Sie sind Fachidioten. Der »Robo sapiens«, der dem Menschen nachempfundene Humanoide, ist also noch nicht da – aber er ist schon unterwegs. Überall in den Labors in Japan, Europa und den USA reifen die Menschenimitate bereits in den Brutkästen der Forschung heran. Der Robo sapiens ist noch ein Fötus. Seine Vorläufer tapsen schon länger durch die Welt. Sie reinigen automatisch die Fußböden, zum Beispiel in den Bahnhöfen von Osaka und Tokio. In japanischen und amerikanischen Krankenhäusern fahren sie autonom das Essen aus. Sie suchen Minen, kontrollieren Reaktorbehälter auf Lecks, entschärfen Bomben und krabbeln an unserer statt durch Abwasserkanäle, um sie zu reinigen. Der Putzroboter CleanAnt von der Schweizer Niederberger Engineering AG und der Fachhochschule Solothurn klettert mit seinen Saugnapf-Füßen an glatten Hauswänden hoch und putzt Fassaden und Fenster öffentlicher Gebäude. Für solche Maschinen gibt es inzwischen sogar schon eine Weltmeisterschaft, die im Wesentlichen jedoch beweist, dass der Mensch der bessere Putzteufel ist. Noch immer sind die meisten Putzroboter alles andere als perfekt und insofern dem Menschen dann doch wieder ähnlich.

Nun rücken Roboter, wenn schon nicht intellektuell, so doch örtlich näher an die Menschen heran: Sie haben die Fabriken verlassen und einen neuen Spielplatz gefunden – die Kinderzimmer. In Japan gibt es Roboterbabys, Roboterkatzen, Roboterfische, Roboterquallen, Robotervögel, Roboterkrabben, Roboterhamster und und und. Vor allem in Nippon heißt man die künstlichen Wesen herzlich im Alltag willkommen und behandelt sie wie Kreaturen mit Geist. Schon in den Fabriken bekamen die Roboter oft Namen verpasst und wurden gelegentlich von Priestern geweiht. Aber in Japan ist sowieso alles anders. Das Land ist ein günstiger Lebensraum für Roboter, weil man hier ein Faible fürs Automatische hat. Hier gibt es Automaten, aus denen man gebrauchte Damenschlüpfer oder Regenschirme ziehen kann. Viele Automaten sind mit Zentralen vernetzt und melden von selbst, wenn sie leer sind. Es gibt Computertoiletten, die die Klobrille vorheizen, einem den Allerwertesten waschen und anschließend trocknen und nebenbei noch den Urin auf seinen Zuckergehalt überprüfen. Toiletten, die mitdenken und Musik oder Naturgeräusche einspielen, um peinlichere Geräusche zu übertönen. Toiletten, an denen ich anfangs schier verzweifelt bin, weil ich schlicht und einfach den Spülknopf nicht gefunden habe unter all den Displays, Knöpfen, Hebelchen und rätselhaften Beschriftungen – und all das in einem Land, in dem die meisten Waschmaschinen nur mit kaltem Wasser laufen. Doch Verspieltes steht hier hoch im Kurs. Aibo, der Roboterhund von Sony, kostete bei der Markteinführung 1999 umgerechnet 2500 Euro. Dafür kriegt man schon einen Rassehund samt Stammbaum, trotzdem gingen in Japan die ersten 3000 Stück innerhalb von 20 Minuten über den Ladentisch. Nach sechs Monaten war die erste Auflage von 45000 Stück ausverkauft. Aibo kann mit einem Ball spielen, Fotos machen und Gefühle, etwa Freude, imitieren. Aber dass etwas einen Namen hat, bedeutet noch nicht, dass es lebt.

»Die Spielzeuge sind nur die Spitze des Eisbergs«, sagt Wayne Walter, Mitbegründer des Labors für kooperative autonome Mikro-systeme am amerikanischen Rochester-Technologie-Institut. Wer als Kind mit den Maschinen aufwächst, lernt sie zu akzeptieren, hat keine Vorbehalte gegen Serviceroboter im Haushalt und lässt sich im Alter auch gern von Robos pflegen. Denn genau das ist die Marschrichtung in Japan, wie japanische Experten in ihren Aufsätzen immer wieder betonen: In der überalterten Gesellschaft sollen die Maschinen Pflegeaufgaben übernehmen.


Autor(in): Andreas Séché

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